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22.05.2012

eBook-Land Woche 31

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 143,90 € | Händler: 6
In eigener Sache
Meine Änderung des Veröffentlichungsrhytmus von Meilensteine der Evolution bringt leider auch eine Verzögerung mit sich: Schwarzer Schwinge erscheint nunmehr etwas später, ist dafür aber auch gleich auf dem neuesten Stand. Ursprünglich wollte ich ja erst dieses Buch fertigstellen und dann die neuen Inhalte per Aktualisierung nachliefern. Jetzt kommt das Buch bereits in der um das neue Kapitel erweiterten Version, vorher gibt es noch eine entsprechende Aktualisierung von Feuchten Fußes.
Abgesehen von dem neuen Kapitel stehen sowieso ein paar nötige Aktualisierungen auf der Kontaktseite an (ich ziehe wieder auf eine eigene Domain, Blogspot schränkt meine Möglichkeiten doch sehr ein), also mach ich das gleich in einem Rutsch. Ebenso wird es dann eine Aktualisierung von Dieses Cover ist Müll geben, dann auf Version 3.0.2. Bei der Gelegenheit wird dieses Buch auch ein paar kleine Verbesserungen im Layout und eine kleine Anpassung zu den Nutzungsbedingungen von iBooks bezüglich Coverdesign erhalten.
Auf der anderen Seite werden dadurch die restlichen Bände der Reihe etwas früher und zeitlich näher beieinander erscheinen. Damit kommt der vorerst letzte Band nicht kurz vor Weihnachten, sondern schon im Spätsommer. Fr mich heisst das auch, dass ich mich dann intensiver anderen Projekten widmen kann - ich mag Meilensteine der Evolution zwar und es ist mein mit Abstand erfolgreichstes Buchprojekt, ich will aber auch noch einige andere Projekte umsetzen. Wie andernorts schon gesagt: Möglicherweise gibt es 2013 eine zweite Staffel mit nochmal 6-10 Bänden. Vorher will ich aber anderswo voran kommen, insbesondere mit meinen Romanen, die teilweise seit Jahren schon zu Bildschirm wollen.

Freundliche Hinweise
Ich darf diesmal auf Sektion 3: Hanseapolis - Präludium von Miriam Pharo hinweisen, auch wenn es anders als von den beiden Vorgängern Schlangenfutter und Schattenspiele leider noch keine eBook-Ausgabe gibt.
Obwohl ich nicht die geringste Ahnung von Musik habe (ich höre sie gern, das isses aber auch), geschweige denn von Chopin (ich hab den Namen schonmal gehört und kenne I Like Chopin von Gazebo), ist das Setting von Hanseapolis doch ein interessantes. Und ich liebe kreative Settings fast noch mehr als gute Geschichten. Wenn jetzt noch eine wirklich gute Geschichte dazukommt - und danach sieht der Klappentext aus - bin ich ganz klar als Leser an Bord. Nur muss jetzt noch eine elektronische Variante erscheinen ;-).
Papierfans lege ich es jetzt schon ans Herz. Ich werde solange Zeit rausschneiden, um endlich mal per Eternal Sonata eine Einführung zu Frédéric Chopin zu erhalten. Bildung muss sein.

Aus der Szene
Es gibt zurzeit wenige, aber umwälzende Entwicklungen im eBook-Bereich und dem POD-Bereich direkt nebenan.
Mein Verdacht, Barnes & Noble wollen mit dem Nook Amazon Kindle als Marktführer ablösen erhärtet sich durch ein Abkommen der amerikanischen Kette mit dem deutschen Branchenführer Thalia, die allem Anschein ihr eigenes Lesegerät, den Oyo, zu Gunsten des Nook aufgeben wollen. Unterdessen fasst Amazon im Bedarfsdruck (POD) Fuß und stellt Europäern Createspace zur Verfügung. Die bisher größten Anbieter, BOD, Smile und Lulu haben hierzulande nur ein Nischenpublikum erreicht - Createspace aber hat über Amazon eine ganz andere Marketing-Maschinerie hinter sich.
Unterdessen steht Lendle zum Verkauf - die Plattform zum gegenseitigen Verleih von Kindle-Büchern. Ob das das Ende der Plattform bedeutet, bleibt abzuwarten.
Eine andere interessante neue Webseite ist diese Woche neu aufgetaucht: Unglue.it gibt Autoren und Rechteinhabern die Möglichkeit, Bedingungen zu nennen, unter denen sie ihre Werke frei der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würden. Konkreter: Einen Preis. Eine Art umgekehrtes Kickstarter also. Beim aktuellen Tempo könnte das erste erfolgreich „entleimte“ Buch in zwei Wochen vermeldet werden.

19.05.2012

Meilensteine der Evolution

Kommen wir zu einem Thema, zu dem ich schon länger einen kompletten Überblick geben wollte. Da ich grade entschieden habe, meinen Veröffentlichungsrhytmus von Meilensteine der Evolution komplett umzustellen, halte ich dies für einen guten Moment, um ein wenig mehr über die Serie zu erzählen. Wo sie herkam, wo sie hingeht.
Also, auf auf Doktor Freuds Couch, es geht in meine Kindheit:

Kindheit
Etwa ab dem Alter von sechseinhalb war ich ein richtiggehender Bücher-Freak. Ich hatte Lesen nicht vor der Schule gelernt und holte nun auf. Was mich vor allem faszinierte waren Bücher über die Natur und hier wiederum eine Art von Kreaturen ganz besonders: Dinosaurier und ihrem Schlepptau alles, was sonst noch ausgestorben war. Es half, dass die westliche Welt grade im Vorlauf einer gewaltigen Dinosaurier-Welle („Dinomanie“) war, die ihren Höhepunkt 1993 mit dem Erfolg von Jurassic Park erreichen sollte, sich aber schon lange vorher ankündigte. Dass sowohl Jurassic Park als auch zwei Jahre zuvor der dazugehörige Roman Dino Park große Erfolge waren kam nicht von ungefähr.
Die Paläontologie befand sich in großer Umwälzung, da sich just zu jener Zeit die Erkenntnis Bahn brach, dass Dinosaurier keineswegs plumpe Reptilien waren, sondern den modernen Säugetieren im Lebensstil in nichts nachstanden. Die Umwälzung eines ganzen Wissenschaftszweiges ließ sich fast Tag für Tag in der Zeitung verfolgen. Bücher über Dinosaurier zu finden war damals einfacher denn je und so wuchs meine Sammlung von Büchern über diese Tiere.
Über diesen Umweg kam ich mit einem kaum beachteten Buchgenre in Berührung: Xenofiktion. Die Xenofiktion umfasst Geschichten mit einem Fokus auf nichtmenschliche Hauptfiguren. Unten am Fluss ist das wohl bekannteste Beispiel, aber für mich war ein anderer Autor zentral für meine weitere literarische Prägung: Lothar Streblow.

Streblows Tiergeschichten umfassten drei Urzeitgeschichten. Die Bücher sind inzwischen weitgehend vergessen und nicht mehr im Druck. Aber für mich haben sie die erzählte Geschichte als Methode der Beschreibung fest mit dem Leben der Urzeit verbunden, Streblow würde ich heute als einen meiner größten literarischen Einflüsse bezeichnen (mit Bernard Werber, Franz Kafka und Jean Paul).

Gymnasium
Springen wir ein bisschen. In der Zwischenzeit las ich weitere Xenofiktion wie Raptor Red und Die Ameisen. Die wenigen Vertreter des Genres wurden meine Lieblingsbücher und -filme. Aber hier geht es um die andere Motivation für die Serie Meilensteine der Evolution.
Etwa in der zwölften Klasse erfuhr ich von der Bewegung der Kreationisten. Eine Klassenkameradin hatte damals das Buch eines Niederländers gelesen und gab es mir zum Widerlegen. Meine Jahre Beschäftigung mit den Tieren der Urzeit hatten mich zu diesem Zeitpunkt zu einem Experten für diese Tiere gemacht (noch heute kennen Schüler der Peter-Ustinov-Schule aus Erzählungen den „Dinosaurier-Jungen“, wie ich bei einem Besuch dort 2009 erfuhr - aber das ist eine andere Geschichte).
Wie dem auch sei, ich erfuhr also von den Kreationisten, einer losen Gruppe radikal Christen, die glaubten, dass die Welt von (einem) Gott erschaffen sei und sich seitdem nur marginal geändert habe. Sehr verkürzt formuliert. Family Guy erklärt den Unterschied etwas besser:

Die Kreationisten argumentieren nicht etwa mit Beweisen für ihre Idee, sondern mit Hinweisen auf Lücken in unserem Bild der Evolution.

Lückenschlüsse
Und hier nun kommen wir langsam zur Gegenwart. Die Kreationisten behielt ich im Auge und sie begannen, Fuß zu fassen. Vor allem in der evangelikalen Bewegung in den USA, aber als Ausläufer dessen zunehmend auch in Europa. Ihr Hauptargument war immer wieder: Es gibt keine „Missing LInks“, womit sie Übergangsformen zwischen verschiedenen Tiergruppen meinten. Jene, die sie kannten, widerlegten sie immer wieder ausführlich. Wenn man nur ein einziges Tier als Stellvertreter der großen Anzahl von Tieren sieht, die den Übergang zwischen zwei Gruppen bilden, ist das relativ einfach. Und hier ist mein Ansatzpunkt: Von allen großen Übergängen gibt es jeweils eine ganze Reihe von Arten, die bekannt sind. Nicht nur die allgemein bekannten Schulbuchgäste wie Urvogel Archäopteryx, Urmensch Australopithecus und Urlurch Ichthyostega. Ich war der Überzeugung, wären sämtliche Schritte der großen evolutionären Meilensteine bekannt, bräche die Argumentation der Kreationisten in sich zusammen.
Also nahm ich mich dessen an.

Meilensteine der Evolution
Ich begann mit den Amphibien. Die letzten Jahre waren von zahlreichen Neuentdeckungen bei den frühesten Landwirbeltieren geprägt und so waren sie eine natürliche Wahl für ein aktuelles Thema an einem entscheidenden Punkt in der Evolution des Lebens auf der Erde. Weitere Bände sollten monatlich folgen.
Und hier kommt die Veränderung ins Spiel, von der ich anfänglich sprach. Innerhalb eines Monats kamen drei weitere Bände zu den ursprünglich geplanten sechs. Auch wenn Feuchten Fußes ein Erfolg war und ich kein großes Problem damit hätte, die Serie beständig weiterzuschreiben: Es gab keinen Grund für einen solchen Rhytmus. Die Bände sind alle sehr ähnlich aufgebaut und können recht schnell geschrieben werden, indem ich einfach diese Grundstruktur anders fülle.
Also erscheinen die restlichen Bände nicht mehr monatlich, sondern nach dem ganz einfachen Motto: Wenn sie fertig sind. Da das das Einhalten einer festen Reihenfolge ad absurdum führt, wird es eine solche nicht mehr geben: Feuchten Fußes wird schon bald in einer erweiterten zweiten Auflage erscheinen, bei der unter anderem die Bandnummer auf dem Titelbild verschwindet. Alle anderen Bände erscheinen entsprechend in loser Reihenfolge, wenn sie fertig sind. Und wahrscheinlich auch schneller als einmal im Monat. Das sind die Bände mit andauernder Alliteration, die Hauptserie. Dies wären nach aktueller Planung (mit dem jeweiligen Thema und der Übersichtlichkeit halber noch mit ursprünglich geplanter Bandnummer):
  1. Feuchten Fußes (Die ersten Amphibien)
  2. Schwarzer Schwinge (Die frühen Vögel)
  3. Klirrender Kälte (Die Entstehung der Jahreszeiten)
  4. Zackigen Zahnes (Die „kambrische Explosion“)
  5. Schreitenden Schrittes (Die letzten Flugsaurier)
  6. n.b. (Fliegende Reptilien des Perm)
  7. Flinker Flosse (Evolution der Wale)
  8. n.b. (Massensterben am Ende des Perm)
  9. Klaubender Klaue (Entstehung Mittelamerikas)
Zur Hauptserie gesellt sich eine Ergänzung, eine Übersicht der Erdzeitalter, die zugleich als Begleiter der Bücher und Werbung für diese läuft. Dieser Band mit dem komplett aus der Reihe fallenden Titel Äonen der Urzeit wird als Bonus kostenlos hier auf der Seite für alle Lesegeräte erhältlich sein. Neben dem Hauptinhalt enthält er auch Hinweise auf die Bände der Hauptreihe und erfüllt so eine Zusatzfunktion als Werbung.

Nachdem die Serie wie geplant durch ist (eventuell mit einem zehnten Band zur Abrundung), erscheint ein Sammelband Meilensteine der Evolution mit sämtlichen Bänden zuzüglich des Bonusbandes in einem. Dieses wird als eBook für 9,99 € (statt 12,41 bzw. 14,90 für alle Einzelbände zusammen) erscheinen. Ich habe eine Weile überlegt, eine Papierausgabe davon zu produzieren, das ist aber bei farbig illustrierten Büchern wegen der hohen Preise (ich würde inklusive Vertrieb etc. erst ab 30 € keinen Verlust machen) für Farbdruck illusorisch. Vielleicht gibt es eine schwarz-weisse Printausgabe für 14,99 € oder so damit ich mir was als Andenken aufs Regal stellen oder bei Werbeauftritten und an Bibliotheken verschenken kann). Hinzu kommt möglicherweise ein kostenloser Sammelband, der nur die Geschichten enthält und als Werbung für die „Vollversionen“ über BitTorrent verteilt wird - das muss ich mir noch überlegen.
Meinen Plan, drei Sammelbände (einen für jedes Äon der Erdgeschichte) zu veröffentlichen gebe ich dagegen auf. Einige Zusammenhänge wie die Evolution des Fluges gehen über solche Einteilungen hinaus und wären dadurch auf unterschiedliche Bände zerteilt worden.

Damit sehe ich die Serie dann als vorerst abgeschlossen an. Eventuell gibt es 2013 eine zweite Staffel mit separatem Sammelband. Mit einem Blick auf den Beginn mehrzelligen Lebens im Präkambrium, die Rieseninsekten des Karbon, die Welt des letzten Eiszeitalters und weiteren Meilensteinen der Evolution. Auf der Erde gibt es seit etwa 3,5 Milliarden Jahren Leben. Es gibt also viel zu erzählen.

15.05.2012

eBook-Land Woche 30

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 142,65 € | Händler: 6
In eigener Sache
Nachdem sich Feuchten Fußes nun also eingependelt hat, ist es auch schon Zeit für den nächsten Band der Reihe: Ich hoffe, Schwarzer Schwinge bis zum Wochenende, am besten zu Christi Himmelfahrt, in den Verkauf stellen zu können. Das Buch hat die selbe Grundstruktur (Kruzgeschichte, Sachtext, Tierporträts), liegt aber thematisch etwa 250 Millionen Jahre näher an der Gegenwart, in der frühen Kreidezeit des heutigen China also mitten in der Blütezeit der Dinosaurier.
Es wird sich mit den Raptoren beschäftigen, jenen gefiederten Dinosauriern aus Asien, Europa und Nordamerika, von denen im Moment niemand so recht weiss, ob sie noch klassische Dinosaurier mit Federn oder schon frühe Vögel sind. Tiere wie Velociraptor, Archaeopteryx, Microraptor und Deinonychus.
Die Raptoren sind interessant, weil fast alles, was wir noch vor 20 Jahren (als Velociraptor seinen großen Auftritt in Jurassic Park hatte) über sie zu wissen glaubten, in kürzester Zeit als falsch herausstellte. Oder wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass eine Velociraptor-Familie wahrscheinlich so aussah:


Aus der Szene
Mit der Wool-Serie hat es erneut ein selbstverlegter Roman bzw. in diesem Fall halt eine Romanserie, geschafft, die Filmrechte zu verkaufen. Das Besondere: Als Regisseur ist Ridley Scott im Gespräch. Das Video, in dem Autor Hugh Howey die Nachricht bestätigt gehört übrigens mit zu den seltsamsten, die ich bisher gesehen habe - mein Lieblingsmoment ist, als er merkt, dass er das Shirt falschrum anhat.
Im Streit um die hohen Preise der Wissenschaftsverlage geht es weiter: Die Mathematik der TU München kündigt ihre Elsevier-Abos. Ich gehe inzwischen fest davon aus, dass die Wissenschaftsverlage die Selbstverlags- und eBook-Revolution kombiniert mit OpenScience-Plattformen nicht überleben werden. Unterdessen fasst eben dieser Umschwung auch in Deutschland langsam Fuß: Axel Springer vermeldet, dass für sie der Digitalmarkt mit dem Printmarkt fast gleichgezogen hat. Zugleich bekommt der deutsche Markt mit MadDog eine eigene Plattform für digitale Comics.
In Frankreich beschäftigt sich die neue Regierung intensiv mit dem Thema eBooks und will unter anderem den Mehrwertsteuersatz für eBooks an Papierbücher angleichen, vergriffene Werke digitalisieren und eine zentrale Plattform für eBooks einrichten. Ich muss sagen, ich mag diese Regierung mit jeder Nachricht mehr.

08.05.2012

eBook-Land Woche 29

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 130,85 € | Händler: 6
Heute einmal recht kurz, weil einerseits wenig passiert ist, andererseits ich selbst diese Woche allgemein wenig Zeit übrig hatte.

In eigener Sache
Die Verkäufe von Feuchten Fußes sind inzwischen auf dem Niveau angekommen, das ich für langfristig normal halte: Ein Verkauf am Tag. Das bedeutet, dass in den letzten sieben Tagen auch sieben Exemplare des Buches verkauft wurden, zuzüglich einem Verkauf auf amazon.com. Insgesamt also acht und damit genau die Hälfte der Verkäufe der beiden vorherigen Wochen.
Zugleich fand ich zu meiner Begeisterung erstmals eine Mail zum Buch vor. Leser Richard B. schrieb mir mit ein paar Themenvorschlägen für weitere Bände und einem Vorschlag für einen zusätzlichen Abschnitt in den Büchern. Einer der Themenvorschläge (Die „kambrische Explosion“) war ohnehin geplant, den anderen (Massensterben) habe ich jetzt in der Planung ergänzt. Was den zusätzlichen Abschnitt, eine Übersicht der Erdzeitalter, angeht, werde ich diesen ebenfalls umsetzen - wahrscheinlich einmal kurz in jedem Band und einmal umfangreicher als eigenen Band ausserhalb der Reihe (diesen könnte ich dann auch grundsätzlich kostenlos anbieten, als Ergänzung und Werbung für die anderen). Ich mache das, nachdem der zweite Band übernächste Woche fertig und veröffentlicht ist, die beiden dann schon erschienenen Bände erhalten entsprechende Aktualisierungen.

Aus der Szene
Der Buchreport stellt fest, dass für multimediale eBooks kein Markt
zu existieren scheint. Ob das daran liegt, dass die Editionen von Rowohlt Mist sind (weiss ich nicht, ich kenn die nicht) oder, was ich eher vermute, Leute Bücher einfach ohne irgendwelche Gimmicks (Yps ausgenommen) lesen wollen, überlass ich erstmal jedem selber. Ich persönlich verstehe nicht, dass Verleger, die sich sonst doch mit Büchern auskennen, auf derlei Unfug stürzen. Das ist irgendwie wie das Internet in den 90ern - sinnloser Klickibuntikram aus unreflektierter Begeisterung, was alles möglich ist.
Auch ohne einen Erfolg des Multimedia-Unfugs gerät die Papierbranche offenbar weiter ins Trudeln. In China gibt es inzwischen erste Experimente mit Werbeanzeigen auf Büchern, in England fängt der elektronische Markt den weiter schrumpfenden Papierbuchmarkt auf.
Innerhalb des eBook-Marktes scheint Barnes & Noble mit seinem Nook massiv Amazon anzugreifen. Diese Anzeige ist da der offensichtlichste Hinweis, subtiler aber interessanter ist, dass die Nook-App auf iOS inzwischen die Kindle-App überholt. Ein Hebel dafür scheint die zukünftig mögliche Nutzung des Nook in Buchhandlungen zu sein.

02.05.2012

eBook-Cover des Monats April 2012

10. Mexikanisch Kochen für Deutsche
Dieses Buch hatte es in gewisser Weise einfach: Das frische Konzept ergibt gleich einen guten Titel und nationale Stereotype kombinieren geht immer, wenn das Cover ein solches Konzept schnell kommunizieren und Aufmerksamkeit erregen soll. Hier also haben wir 11 Chilis, die den Bundesadler formen. Der Inhalt ist zwar ein mexikanisches Kochbuch aber mit der Besonderheit, dass es die Zutatenlisten so abändert, dass man mit dem Sortiment eines durchschnittlichen Supermarkts in unseren Gefilden kochen kann.
Das Ergebnis ist mit dem viel Raum einnehmenden gelblich-orangen Hintergrund farblich etwas eintönig, der Adler und die Schrift hätten ruhig größer sein können.

9. A Brief History of Dogs
Das Bild ist einfach, funktioniert ohne Verluste in der verkleinerten Ansicht und passt zum Thema des Buches. Mit dem Hirschgeweih im Hintergrund und dem vor seinem Herrchen liegenden Hund auf dem Boden fasst es die Enden der Geschichte ganz gut zusammen und schafft zugleich ein einheitliches Bild - meine erste Idee wären ein mit Wölfen kämpfendes Mammut und Paris Hilton samt Chihuahua in der Handtasche gewesen. Zum Glück stammt das Cover aber nicht von mir.
In der Vergrößerung kommt noch eine Besonderheit zum Vorschein: Die Struktur ähnelt einem alten Buchumschlag, der schon vor Jahren seinen Schutzumschlag verloren und den Händen seiner Leser ausgesetzt war. Interessanter Effekt für ein Geschichtsbuch.

8. Eco-Sex
Was man alles öko machen kann...
Eco-Sex hat ein extrem effektiv gestaltetes Cover: Der Titel kann wegen seiner Kürze groß genug ausfallen, um auch bei größter Verkleinerung noch gut lesbar zu sein, das Titelbild passt perfekt zum Thema. Die ganze Gestaltung ist mit dem bettwäscheartigen Rankenmuster locker, die Schriftart passt sich dem an und fällt leicht verspielt aus.
Ähnlich wie bei Mexikanisch Kochen für Deutsche gilt auch hier: Das Konzept allein verkauft das Buch schon, aber ein gutes Cover hilft nochmal zusätzlich. Dieses hier ist professionell gestaltet und man sieht es. Allerdings unterscheidet es sich leider sehr stark von allen anderen Covern der Bücher dieser Autorin.

7. Octopope!
Selbstverständlich habe ich dieses Buch zum Papstgeburtstag gekauft. Ich meine: Dieser Titel, dieses Cover - es war mir völlig egal, ob das Buch gut war (der Preis von 0,89 € half natürlich). Die Idee allein gehörte honoriert. Das wichtigste Element dieser Geschichte ist die komplette Absurdität und Respektlosigkeit des Konzeptes, das Cover transportiert genau das auf den Punkt.
Das Grundkonzept ist das: Was, wenn die katholische Kirche mehr wie ein College wäre? Beziehungsweise, auf europäische Verhältnisse übertragen, eine Uni.
Das Ergebnis ist eine lustige kurze Satire auf organisierte Religion, die Gesellschaft und Dogmatik im Tonfall eines angetrunkenen Langzeitstudenten. Und ja, natürlich wählen die Kraken einen neuen Papst.

6. Tumbler
Tumbler, ein locker geschriebener Roman um eine gestrandete Minenarbeiterin in einem Asteroidenfeld geht bei seiner Covergestaltung ebenfalls die Richtung, die Stimmung der Geschichte möglichst wörtlich und direkt wiederzugeben. Dazu bekommen wir das Bild einer sitzenden Astronauten auf einem der schwebenden Felsblöcke im All. Das ist ein effektives Bild, weil durchaus neu: Astronauten sehe zumindest ich seltsamerweise so gut wie nie sitzend dargestellt, wenn sie nicht grade ein Fahrzeug steuern.
Der Gesichtsausdruck ist auch untypisch für Abbildungen von Astronauten, was sehr schön auffällt. Vermutlich sollte er aber wohl eher in Richtung „schmollend“ gehen, herausgekommen ist aber mehr ein gelangweilter Gesichtsausdruck. Naja.
Der Titelschriftzug bringt auch hier eine gewisse Verspieltheit ein, um die Stimmung zu unterstreichen.

5. Heartless
Ein wenig Subtilität schadet dem Fantasy-Genre auf seinen Covern nichts und das Bild von der jungen Frau als Reflexion im Auge des Drachen ist da ein guter Anfang.
Dieses Cover ist kein reines eBook-Cover und auch kein Indie-Cover, sondern ein professionelles Cover des Verlages Bethany House, der es auch für die Taschenbuchausgabe verwendet. Aber auch unter den zunehmend gleicher aussehenden Genrecovern der Verlage fällt es noch auf und ist zudem sehr schön gemalt. Der Schriftzug ist für starke Verkleinerungen einen Tick zu verspielt, insbesondere der Name der Autorin geht im Rauschen unter.

4. How to Train Your Zombie
Noch etwas Verspieltes, diesmal im Comicstil. Das Titelmotiv ist ausgezeichnet gemacht, die Gesichtsausdrücke der drei Charaktere sagen alles, was man zur Einführung in die Geschichte wissen muss. Zwar ist in der Verkleinerung die Halsleine nicht zu sehen, das macht aber nicht allzu viel aus, da die Gruppe auch so optisch gut wirkt und offensichtlich ist, wer Zombie und wer Besitzerin ist.
Die Geschichte dreht sich um eine Frau, deren Mann in den letzten Tagen eines Zombie-Ausbruchs doch noch gebissen wird und wie sie sich an den neuen Alltag mit ihrem infizierten Mitbewohner gewöhnt und darin einlebt. Quasi ein etwas ausführlicherer Blick auf die Welt nach dem Ende von Shawn of the Dead.

3. Mad Science Institute
Wahrscheinlich muss man als Europäer erstmal wissen, dass dieses Motiv einen relativ häufigen Stil von Universitäts-Wappen in den USA darstellt, siehe beispielsweise auch Canis Canem Edit. Da das Cover ursprünglich nicht auf europäische Leser abzielt geht das völlig in Ordnung. Zumindest die Zeichen für Radioaktivität und Biogefahr sind auch hierzulande ausreichend geläufig und die Brille oben auf dem Wappen ist auch kulturübergreifend bekannt.
Die Geschichte um eine Art Akademie für wahnsinnige Wissenschaftler ist auf jeden Fall erkennbar. Möglicherweise hätte man die Schriftart noch etwas besser an das Logo anpassen können, es sieht aber auch so nicht schlecht aus und ist gut zu lesen.

2. Legend of Ukotha
Diese Gestaltung fällt zwar schon bei der Taschenbuchausgabe auf, bei der eBook-Ausgabe, der man nicht ansieht, dass sie zweidimensional ist, wirkt sie noch stärker. Dazu kommt natürlich auch der Kontrast zwischen dem modernen Medium und dem nach frühneuzeitlichen und noch älteren Vorbildern gestalteten Motiv. Die riesigen goldenen Scharniere mit ihrer detaillierten Ausarbeitung und der exotische Name „Ukotha“ verraten das Buch als Fantasy-Roman. Zwar ist „Legend of“ kaum zu lesen, aber der wichtigste Bestandteil des Titels und mit ihm die inhaltliche Zuordnung für den potenziellen Leser fallen ins Auge.
Die Geschichte ist offen gestanden nicht weiter bemerkenswerte, aber kurzweilig geschriebene, Stangenware aus dem Genre-Schrank.

1. Girl in Pieces
Über die Buchcover von 40K wollte ich schon länger etwas sagen, jetzt habe ich endlich mal eine gute Gelegenheit dazu. Interessant an diesem im eBook-Bereich sehr aktiven italienischen Verlag ist das Aufsprengen des streng rechteckigen Formats - zwar ist die grobe Form rechteckig, doch Elemente wie das Verlagslogo und der Titel ragen leicht über den Rand hinaus. Eine optische Spielerei, die so nur bei eBooks möglich ist. Ich würde in Zukunft gerne mehr Cover sehen, die in gewissem Maße mit diesen Möglichkeiten spielen.
Die Titelbilder wirken immer etwas zusammengewürfelt, doch da es hier um eine in 11.395 Stücken aufgefundene Leiche geht, passt das dann wieder hervorragend.

Ausserdem erwähnenswert

01.05.2012

eBook-Land Woche 28

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 117,73 € | Händler: 6
In eigener Sache
Feuchten Fußes konnte in seiner zweiten Woche erneut 16 Stück verkaufen und ist damit nach 14 Tagen bei nunmehr 32 verkauften Exemplaren. Ich hatte nicht erwartet, dass die Zahl sich über eine Woche nach Verkaufsstart hält und bin daher sehr positiv überrascht. Ein Verkauf von 9 Exemplaren an einem Tag brachte das Buch nebenbei auch in die dreistelligen Verkaufsränge auf die Nummer 518
Bei den Bewertungen kann ich größtenteils nur raten: Bei Amazon gibt es noch keine, dafür gibt es eine überaus kryptische auf einem mir zuvor unbekannten Preisvergleichsportal (immerhin fünf von fünf Smileys) und das folgende Zitat im Manager Magazin (!):
Dass E-Books in Deutschland vom echten Verkaufsschlager noch weit entfernt sind, sieht man beim ersten Blick auf die Hitliste des Amazon-Readers Kindle: Neben Top-Gratis-Sellern wie der Evolutionsbroschüre "Feuchten Fußes" finden sich hier Ratgeberbücher, die einzig und alleine mit einem Veriss aufwarten können.
Wenn ich das Zitat und die Tatsache der Titelerwähnung richtig verstehe war das ein positives Beispiel für das Qualitätsspektrum bei den Kindle-eBooks.

Zur weiteren Planung: Der zweite Band der Reihe, Schwarzer Schwinge, wird wohl wie geplant Mitte Mai erscheinen. Wahrscheinlich werde ich die sechs Bände der Serie am Ende zusätzlich auch in einem Papierbuch produzieren, hauptsächlich mit der Absicht, dieses als Werbung für die elektronischen Ausgaben an einige Bibliotheken zu geben.
Meine anderen Projekte haben keinen Zeitplan, aber wahrscheinlich bleibt Schwarzer Schwinge nicht das einzige neue eBook mit meinem Namen drauf, das diesen Monat erscheint.

Aus der Szene
Die große Nachricht der Woche im eBook-Bereich: Nach Baen verzichtet nun mit TOR der größte Spezialverlag für Fantastik auf den Einsatz von Kopierschutzmaßnehmen. Apropos Baen: Dort kann man sich jetzt Bücher per Facebook erspielen. Der Spiegel stößt unterdessen auf den Zusammenhang zwischen Urheberrechtslaufzeiten und Verlust von Kulturgut des 20. Jahrhunderts und berichtet darüber.
Bei den verlagen beginnt man inzwischen zu agieren. Campus startete eine eBook-Reihe, wenn auch eher halbherzig nur mit einigen wirtschaftspolitischen Titeln. Ein echter Test muss mit mehr als einem Genre laufen. Profile in Amerika geht da schon weiter und schafft eine gelungene interaktive Variante von Frankenstein. Microsoft steigt in das Geschäft ein und gründet einen gemeinsamen Ableger mit der Buchhandelskette Barnes & Noble, die erst kürzlich eine deutsche Tochter gegründet hatten und denen der erfolgreiche Kindle-Konkurrent Nook gehört.
Eine Folge der Verbreitung sozialer Medien und des Internets mit seinen sozialen Auswirkungen bringt der Krimiblog auf den Punkt: „Wer in mein Hirn will, muss sich benehmen“.
Abseits der Nachrichten eine definitive Leseempfehlung wert ist diese Betrachtung über das Wirtschaften mit dem 99-Cent-Preispunkt.

24.04.2012

eBook-Land Woche 27

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 106,99 € | Händler: 6
Ein halbes Jahr ist seit dem ersten Beitrag der Serie rum. Welch schöner Zeitpunkt für den ersten kleinen Durchbruch. Ich warne aber schonmal vor: Das wird er längste Beitrag seit langem.

In eigener Sache
Fangen wir mal mit Feuchten Fußes an, das ist wohl für viele das interessanteste Thema.
Nach dem sehr zufriedenstellenden Start letzte Woche hat sich das Büchlein gut geschlagen. Meine Desillusionierung wegen der eher mageren Verkäufe von Dieses Cover ist Müll doch eingestellt hatte ist verflogen. Während mein Erstling (und ebenso die gemeinfreien Werke) weiterhin alle paar Wochen mal ein Exemplar verkauft geht Feuchten Fußes fast täglich weg, am letzten Freitag sogar ganze fünf Mal an einem Tag. Es hat sogar zwei "Gefällt mir"s bekommen, wenn auch leider noch keine Bewertung (eine 4- oder 5-Sterne-Bewertung sollte die Verkäufe nochmal spürbar fördern). Für etwa eine Woche hielt sich das Buch damit tapfer nicht nur auf dem 1. Platz unter allen eBooks über Evolution, sondern für drei Tage auch auf dem 1. Platz unter allen Büchern (Papier und digital) zu dem Thema. Hier ein Beweisfoto:
Insgesamt liegt die verkaufte Auflage nach sieben Tagen im Verkauf bei 16 Stück zuzüglich 439 kostenlosen Downloads bei der Werbeaktion. Ich bin ehrlich gesagt noch unschlüssig, ob ich nur die für Geld verkauften oder auch die kostenlosen zur Auflage zähle. Wahrscheinlich letzteres, die größeren Zahlen machen sich besser im Marketing ;-) . Die Zahlen scheinen sich langsam bei einem Exemplar am Tag (und Verkaufsrängen in den 6.000ern) zu stabilisieren, der beste Gesamtrang war 1.038 (sooo knapp am dreistelligen Bereich vorbei). Alles in allem bin ich zufrieden.
Ganz nebenbei habe ich mein absolutes Lieblingsspielzeug gefunden, nur wo ich es kaufen kann, weiss ich leider nicht. Die Seite ist seit Dezember 2010 nicht mehr aktualisiert worden und die Shoplinks führen zu keinen Ergebnissen. Sehr schade. Jetzt ist natürlich bereits der Nachfolger Schwarzer Schwinge in Arbeit. Also von dem Buch, nicht von dem Plüschtier.

Eine kleinere Neuigkeit in meinem Angebot war die vergangene Nacht in den Verkauf gegangene Version 3.0.1 von Dieses Cover ist Müll. Es spricht für den aktuellen Stand des Werkes, dass ich zurzeit keinen Grund mehr sehe, komplett neue Kapitel oder große Veränderungen durchzuführen. Die Neuerungen in dieser Ausgabe beziehen sich auf eine Änderung in Amazons Anforderungen an die Datei mit dem Coverbild: Die längste Bildkante muss nunmehr statt 800 mindestens 1000 Pixel lang sein. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an Eileen Janket für ihre Empfehlung.

Zeitgleich habe ich drei Projekte in Angriff genommen, die nach und nach heranwachsen und ebenfalls zu den kürzeren Werken zählen. Thematisch geht es zu Amphibien, Libellen und Ausserirdischen, wobei das zuletzt genannte Thema zugleich mein erstes in Englisch veröffentlichtes Werk repräsentiert. Auf jeden Fall motiviert mich Feuchten Fußes enorm beim Schreiben weiterer Projekte.
„Kann man davon leben?“ heisst es immer und nach diesen Ergebnissen sage ich einfach mal „Ja“, wenn man genug erfolgreiche Bücher im Markt hat. Ich bräuchte dazu zwar etwa 100 Titel, aber nur unter der Annahme, dass alle sich so verkaufen wie Feuchten Fußes. Es gibt aber momentan über 2.000, die sich besser verkaufen. Und später kommen ja noch iTunes usw. dazu.

Freundliche Hinweise
Diesmal darf ich hier auf Autumn Flora von Elsa Rieger verweisen, die erste mir bekannt gewordene englische Übersetzung der Geschichte einer deutschen Indie-Autorin. Erhältlich (unter anderem) bei Smashwords und Amazon.

Aus der Szene
Während die Verlage weiter in Schockstarre verharren hat sich Amazon mal eben die englischsprachigen Rechte an James Bond lizenziert - die komplette Serie, weltweit. Das finde ich ehrlich gesagt problematisch - schlimm genug, dass es derartige Exklusivitäten bei anderen Medien gibt, aber bei Büchern gab es das bisher nicht in dieser Form. Andererseits gehe ich davon aus, es hier mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun zu haben - ein solches Modell macht nur Sinn, solange das Verlagswesen im Buchhandel noch eine Rolle spielt. Das wird es mE vielleicht noch für ein Jahrzehnt, zwei wenn es klug handelt.
Genau diese Entwicklung nimmt aktuell Fahrt auf. Praktisch zeitgleich klagen Amerikas Kaderschmiede Harvard und die deutschen Bibliotheken über die hohen Preise der wissenschaftlichen Verlage - Harvard empfiehlt sogar explizit die Nutzung von Open-Access-Plattformen. Die Wissenschaft ist der Bereich, der am stärksten von freiem Zugang zu Wissen profitiert und zugleich der mit den am unverschämtesten agierenden Verlagen, die Werke weit jenseits dessen preisen, was die Studierenden zahlen können - man hat ja die Bibliotheken als finanzkräftige Garantieabnehmer. Ohne die Bibliotheken aber bricht das Wirtschaftsmodell der Wissenschaftsverlage zusammen. Wir werden sehen, wie sie reagieren.
Nebenan, in der Belletristik rechnet Kathrin Passig mal ihre Einkünfte aus kreativer Arbeit vor und hat damit so manchen überrascht. Kurze Zeit später erscheint bei Amazon (über Pottermore) Harry Potter auf deutsch und führt eindrucksvoll vor, was passiert, wenn sich ein Verlag (hier Carlsen für die Übersetzungen) einmischt: Die deutschsprachige Ausgabe ist kurzerhand um die 2 € teurer als die Originale. Die Fans werden es zahlen, für eBooks allgemein kommt Harry Potter damit ziemlich nah an meine Obergrenze für Downloads heran. In diesem Themenbereich kommentiert denn auch Techdirt, wenn Verlage es nicht schaffen, von eBooks für 9,99 zu leben hätten sie sich ihren Untergang selbst zuzuschreiben und verdient. Die Rettungsversuche sehen unterschiedlich aus: Der Spiegel listet mal wieder die üblichen Vorurteile und Durchhalteparolen auf, warum eBooks sich in Deutschland nie durchsetzen werden, der Börsenverein geht in die Offensive (wurde auch mal Zeit) und bringt mit dem Liro Ink ein „eigenes“ eBook-Lesegerät auf den Markt.
Und im Journalismus? Da wird die Frage lauter, wer hier eigentlich die Schnorrer sind, wenn sich die klassischen Medien ständig ohne ausreichende Quellverweise auf Inhalte im und aus dem Internet stützen. Dazu passt die leider etwas untergegangene Nachricht, dass die nur online existierende Huffington Post grade den Pulitzer gewonnen hat - wenn auch mit einem alteingesessenen Journalisten aus Zeiten lange vor dem Internet als Preisträger.