27.03.2012

eBook-Land Woche 23

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 71,52 € | Händler: 6
In eigener Sache
Mit der dritten Auflage von Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum hat dieses Buch endlich die Form erreicht, die ich von Anfang an als Ziel vor Augen hatte. Mit dieser Ausgabe bin ich nun also vollends zufrieden, nach meinem bisherigen Urteil fehlt nichts wichtiges mehr. Womit ich natürlich nicht ausschließen will, dass es irgendwann noch eine vierte Auflage geben wird. Aber vorerst gibt es wohl nur noch kleinere Ergänzungen und Aktualisierungen zu erledigen.
Neu hinzugekommen sind in dieser Auflage zwei Kapitel. Eines davon beschäftigt sich mit den Besonderheiten von Covern im Querformat, das andere geht gezielt darauf ein, wofür man sein Cover eigentlich verwenden kann, wenn es einmal fertig ist. Vor allem dieses letzte Kapitel wird in Zukunft wohl noch wachsen, wenn ich neue Möglichkeiten ausprobiere (von denen ich dann natürlich auch hier im Blog berichte). Ein drittes neues Kapitel ist aus einem Absatz im Kapitel „Bildbeschaffung“ entstanden, der dort rausgenommen und ausgebaut wurde. Dort geht es um die verschiedenen Formate von eBook-Covern (Hochkant, Quer, Quadratisch).
Im Kapitel zu den Quellen für Coverbilder wird jetzt auch die Möglichkeit besprochen, Aufträge auf speziellen Plattformen für Künstler und Designer auszuschreiben. Der Test zur Überprüfung ob ein Cover gelungen ist wurde um einen neuen Punkt (Erkennbarkeit des Buchinhalts über das Cover) ergänzt. Bei der Titelfindung gehe ich jetzt etwas ausführlicher auf die Titel von fiktiven Geschichten ein, bisher ging es dort fast ausschließlich um Sachbücher.
Alles in allem bin ich mit dieser dritten Auflage wie oben schon gesagt sehr zufrieden. Jetzt geht es endgültig an andere Projekte, von denen Feuchten Fußes das wichtigste ist, gefolgt von den thematisch ähnlichen Titeln Schwarzer Schwinge und Klirrender Kälte. Diese drei Bände der Serie Meilensteine der Evolution sind komplett unabhängig voneinander in völlig beliebiger Reihenfolge lesbar, die Reihe ist durch ein gemeinsames Thema, aber nicht durch einen gemeinsamen Handlungsstrang verbunden. Es sollte einer jeden Monat erscheinen, weitere Bände nach dem Juni nicht ausgeschlossen. Zwischendurch kommen einige kleinere Projekte dazu, die ich nebenbei schreibe.
So kann das weitergehen.

Freundliche Hinweise
Eileen Janket hat Thrill my Soul ein kleines Facelifting verpasst: Neues Cover und neue Genre-Bezeichnung (Liebes-Thriller statt Heartcore) schmücken das Buch nun.

Aus der Szene
Fangen wir mit dem obligatorischen Hinweis an, dass seit heute die englischsprachigen Ausgaben von Harry Potter als eBook verfügbar sind. Keine Ahnung, warum das bedeutend ist, halt eine weitere Bestseller-Reihe als eBook - wobei ich hervorheben muss, der Preis für die Bücher ist sehr gut gewählt, das Bestellverfahren über eine eigene Seite finde ich allerdings befremdlich. Interessanter finde ich persönlich da schon die Erstveröffentlichung von Kurt Vonneguts Basic Traning als eBook. Das unveröffentlichte Kurzwerk des Autors (mE einer der besten des 20. Jahrhunderts) bot sich aufgrund seiner Länge gradezu als eBook an, als Papierbuch wären seine Chancen auf Veröffentlichung eben wegen des geringen Umfangs gering gewesen.
In Deutschland reiht sich Sven Regener in die Reihe derer, die fälschlicherweise glauben, Urheberrechtsgegner wollten das Urheberrecht komplett abschaffen und erzählt gleich noch Mythen wie jene Legende, Youtube wolle nix für die Videos bezahlen (doch, wollen sie, aber die GEMA will noch mehr). Das wäre nicht weiter bemerkenswert, hätte sein wütender Redebeitrag nicht jede Menge Aufsehen erregt.
Auch ziemlich falsch, aber in diesem Fall leider, waren die Gerüchte um ein neues Kindle mit farbigem eInk-Display. Dafür werden wir uns wohl doch noch ein paar Jahre gedulden müssen. Die Technik existiert, aber ist noch nicht ausgereift und vor allem deutlich zu teuer. Da kommt die Nachricht, dass eReader und Tablet-Computer doch nicht konkurrieren grade recht.
Die GfK kommt in einer Untersuchung der deutschen eLeserschaft zu hochinteressanten Ergebnissen. Demnach ist der Markt in Deutschland demografisch komplett anders besetzt als in den USA - sind drüben Frauen in ihren 50ern die größte Nutzerschicht herrschen hierzulande männliche Nutzer zwischen 40-49 als Durchschnittsleser vor. Zwar ist in beiden Märkten der hohe Altersschnitt auffällig, aber ansonsten könnten die Gruppen unterschiedlicher kaum sein. Das dürfte entsprechende Implikationen für die Vergleichbarkeit der Märkte haben, insbesondere was die Beliebtheit einzelner Genres und dort mögliche Absatzzahlen angeht.
Bleibt mir noch, auf ein interessantes Experiment zu verweisen: Jellybooks, ein Online-Buchhändler, der im ersten Augenblick nur die Cover der angebotenen Bücher präsentiert.

25.03.2012

Politische KW 12-2012

Okay, offenbar wird es jetzt also doch fest Sonntag, wenn diese Reihe erscheint. So sei es denn:

Sitzungen: 3(9 h)| Anträge in Arbeit: 3 | Sonst: 5 h Wahlkampf, ca. 2 h eMails

Montag
Und da ist die 1. Stunde eMails. Genauer eMail. Ja, eine.
Es ging um die Baumfällungen in den letzten 12 Monaten in der Stadt, eine Bürgerin beklagte diese und fragte nach, wie wir Grüne hier aktiv seien. Ich erklärte ihr, dass die meisten Fällungen von Einzelbäumen begründet seien (kranke, tote, zu stürzen drohende Bäume), aber auch mir viele Fällungen aufgefallen sind, die nicht vorher angekündigt waren. Viele besonders sichtbare Fällungen sind auch Bäume, die wegen Baumaßnahmen fallen (Marienplatz, Hugo-Junkers-Park). Am Marienplatz stehen nachher deutlich mehr Bäume als zuvor, im Hugo-Junkers-Park stehen am Ende 67 neue an einer anderen Ecke (ich weiss allerdings nicht, wie viele dort zuvor gefallen sind). Da mir einige mehr aufgefallen sind oder mitgeteilt wurden stellte ich aber im letzten Umweltausschuss die Frage, wie weit die bekannten Baumfälllisten abgearbeitet seien und wieviel aus welchem Grund ausserhalb der Listen gefällt wurde.
Vieles ist auch deshalb so radikal, weil die Jahre der Verwahrlosung wieder eingeholt werden müssen. Dennoch Ich bin ziemlich sauer, wie in dieser Stadt mit Grün umgegangen wird. Es herrscht weiterhin eine Golfrasenmentalität in der Planung und Pflege des Grüns vor, Natur ist nur so weit vorgesehen, wie sie mit den ästhetischen Idealen der Gärtner übereinstimmt. Das Problem ist, dass Gärtner und Landschaftsgestalter diese Mentalität in ihrer Ausbildung als eherne Gesetze der Zunft eingeimpft bekommen. Die wenigsten schätzen Natur als Natur, sie wird mehr verwendet wie eine weitere Art Gestaltungselement.

Am Abend dann die Fraktionssitzung. 3 Stunden Vorbesprechung der Ratssitzung und anderer für die Woche anliegender Themen. Da hab ich mich dann mal eben als alles andere als ein Freund des Schützenwesens geoutet. Ich finde es problematisch, wenn bewaffnete Männer in Unform im Gleischritt zu Marschmusik durch die Straßen schreiten und sowas auch noch als toll gilt. Wie sich das mit einer pazifistisch orientierten Partei vereinen lässt, weiss der Teufel allein. Ich kann verstehen, wenn man in bestimmten Situationen einen Krieg für gerechtfertigt hält, etwa um einen Völkermord zu stoppen. Aber ich kann nicht verstehen, wie man eine Veranstaltung gutheissen kann, deren Präsenz den Eindruck zu fördern geeignet ist, Krieg oder zumindest Militärästhetik sei ein alltäglicher Bestandteil der Gesellschaft.

Dienstag
Zum zweiten Mal hintereinander tagte die Bezirksvertretung Nord in einer Sondersitzung im Rathaus Rheydt. Es ging erneut um das HDZ (Handels- und Dienstleistungszentrum), sprich die große Mall im nördlichen Zentrum. Das fanden einige gar historisch. Das ist für ein übergroßes Einkaufszentrum dann doch etwas arg hoch angesetzt, aber na gut.
Ich nutzte den Punkt „Anfragen aus der Bezirksvertretung“ für einen ersten Einwurf im Kampf gegen ein Übel, dessen ich mich zukünftig stark annehmen will: Die so genannten Drängelgitter an vielen Stellen der Stadt, die ein erhebliches Hindernis nicht nur für Fahrräder, sondern auch für Kinder- und Handwagennutzer darstellt.

Bild von hier

Nun stellte sich das Gitter, das ich hierfür als erstes erwählte sich tatsächlich als sinnvoll heraus. Das Gitter an der Ecke Vitusstraße/Fliehtstraße dient dem Schutz eines Schulweges vor Radfahrern, die dort mit hoher Geschwindigkeit bergab kommend versuchen, der roten Ampel über den Bürgersteig auszuweichen. Das leuchtet in der Tat ein. Aber das ist nicht die einzige derartige Stelle auf meiner Liste.

Später am Dienstag traf sich dann noch das Gladbacher Anti-Atom-Bündnis Strahlenzug. Wir haben natürlich für den Tschernobyl-Jahrestag am 26. April wieder eine schöne Aktion ausgeheckt. Vorher sind wir natürlich am Ostermontag in Jülich beim AntiAKW-Ostermarsch dabei. Den habe ioch mal oben ins Zeitbudget nicht eingerechnet, da der Strahlenzug explizit nicht zu den Parteien gehört. Und weil ich nicht darauf geachtet habe, wie lang wir uns eigentlich getroffen haben. 2-3 Stunden etwa.

Mittwoch
Nachdem ich tagelang jeden Politiker anderer Fraktionen mit der Frage genervt habe, wie sie abstimmen würden war es am Mittwoch klar: Mönchengladbach erhält das Kfz-Kennzeichen der 1972 aufgelösten Stadt Rheydt (RY) nicht wieder. Das freut mich sehr. Ich hielt den Vorstoß in einer Stadt, die gesellschaftlich immer noch so gespalten ist für schädlich im Zusammenhalt und vor allem dem Prozess des Zusammenwachsens der Gesamtstadt.
Beim HDZ überbot der Oberbürgermeister den Bezirksvorsteher nochmal in Sachen vollständiger Überhöhung des Baus und sprach vom „größten historischen Ereignis seit Bau der Abtei“, vulgo der Gründung der Stadt. Man kann es auhc übertreiben. Das größte historische Ereignis der Stadt ist immer noch die Erfindung von Käpt'n Blaubär durch einen Gladbacher Rheydter. War allerdings auch ein paar Millionen billiger.
De neue Zentralbibliothek ist auf dem Weg und ich muss bei allen Bekenntnissen zur Bibliothek ehrlich sagen: Je länger ich mich mit eBooks beschäftige, desto weniger bin ich vom Sinn einer Bibliothek überzeugt. Meine eigenen schwindenden Bücherregale spielen da sicher auch eine Rolle. Wahrscheinlich stehen bei mir irgendwann nur noch ein Kindle und ein Sony eReader rum, das Papier wird verschwinden. Ähnliches erwarte ich auch für die Bibliothek - und dann braucht sie gar keinen physisch existenten Ort mehr.
Die Stadt bewirbt sich um das so genannte Stärkungspaket Kommunalfinanzen II. Mal abgesehen davon, dass die Bezirksregierung uns ziemlich unmissverständlich klar gemacht hat, dass sie das von der Stadt erwartet, sonst ist die Haushaltsaufsicht in Zukunft weniger nachsichtig mit der hoch verschuldeten Stadt: Ich denke auch, es ist sinnvoll, dies zu tun. Das schlimmste was passieren kann ist, dass wir kein Geld kriegen und alles bleibt wie es ist. Dem gegenüber steht die Chance bis 2019 jährlich mehrere Millionen zu erhalten, die wir in zur Haushaltssanierung dringend notwendige Investitionen stecken können. Mönchengladbach hat strukturelle Probleme mit einer extremen Arbeitslosen- und Aufstockerquote, einem verfallenden Gebäudebestand und einer Verwaltung, die wegen Personaleinaprungen stellenweise am Rande ihrer Leistungsfähigkeit arbeitet.
Pro forma bin ich jetzt übrigens auch stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat der NEW mobil & aktiv, unserer Betreibergesellschaft für ÖPNV und Bäder. Ich erwarte aber nicht, dass ich diese Funktion je ausfüllen muss.

Donnerstag
Ich werde ein Ansinnen wohl aufgeben müssen, die Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße. Das wollte ein Partner mit einem anderen Anliegen verbunden wissen („Wir stimmen zu, wenn ihr hier zustimmt“). Da ich das Gegenvorhaben für wesentlich folgenreicher als den positiven Effekt der Umbenennung einer nach einem Völkermörder benannten Straße hielt werde ich mich darauf nicht einlassen. Kommt der Antrag halt nach der nächsten Kommunalwahl 2014 nochmal auf den Tisch.
Apropos Wahl: Das Wahlamt rief mich an, ob ich nicht wie in den letzten Jahren (ausser bei der Kommunalwahl, wo ich ja selbst Kandidat war) die Wahlleitung in meinem Wahlkreis machen wollte. Nach der Klärung, ob das rechtlich überhaupt möglich sei, ich bin ja nun politisch kein ganz unbekanntes Gesicht mehr, sagte ich zu. Womit mein 13. Mai auch schon weg wäre. Ein potenzieller Naziplatz weniger.

Freitag
Mal ein Präsenztermin, gibt es auch hin und wieder: Es ging zum kurdischen Neujahrsfest in Eicken. Die Kurden feiern das neue Jahr am Frühlingsanfang, also unserem 21. März. Gesprochen habe ich anders als 2011 nicht, die Rolle der positiven Stimme der Hoffnung zum neuen Jahr übernahm diesmal der sehr gute Edmund Erlemann. Was die übrigen Beiträge angeht, so sehe ich die durchaus kritisch, aber dazu wird es die Woche einen eigenen Beitrag geben. Sagen wir mal so: Die Kurden bräuchten dringend ein Gegenstück zu Gandhi. Jene, die dort momentan politisch agieren tragen selbst heftig zum Aufschaukeln der Aggressionen zwischen Türken und Kurden bei - das jedenfalls ist mein Eindruck von diesem Abend.
Da das Ganze irgendwie nicht so richtig politisch war hab ich es mal nicht oben mitgezählt.

Samstag
Wieder Landtagswahlkampf am ehemaligen Stadttheater. Immer spannend, wen man dort alles trifft und was man dort alles erfährt. Und wäre mir nicht in der vorhergehenden Nacht mein großer Fahrradanhänger geklaut worden hätte ich auch den bestellten zweiten Klapptisch für zusätzliches Infomaterial mitbringen dorthin können.
Aber naja, mit den Leuten reden lohnt immer. Ausser uns gab es diesmal noch die Linke, aus Wuppertal importierte Republikaner (inklusive erheblicher Polizeipräsenz in der Fußgängerzone) und einen einsamen Piraten auf der Suche nach seiner Crew, die am Abend zuvor mangels Teilnehmern am Stand diesen abgesagt hatte (was aber offenbar nicht im Piratenpad stand).

21.03.2012

eBook-Land: Woche 22

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 67,26 € | Händler: 6
Diesmal einen Tag später wegen einem sehr sitzungsintensiven Dienstag. Und kurz wegen eines sitzungsintensiv werdenden Mittwochs.

In eigener Sache
Kaum stelle ich das Schreiben von Castor zurück, verschiebt Röttgen die Castortransporte durch NRW nach 2016. Okay, die Neuwahlen in NRW dürften da wohl auch was mit zu tun haben, kommt mir aber sehr entgegen. Wenn wir jetzt noch jedes Mal, wenn Castortransporte drohen Neuwahlen ansetzen könnten... ist vermutlich sogar billiger.
Ansonsten haut mir der Wahlkampf natürlich ordentlich in die Zeitplanung. Wahrscheinlich habe ich so erst Sonntag die Zeit, die dritte Auflage von Dieses Cover ist Müll endlich abzuschließen. Schmeckt mir gar nicht, immerhin wollte ich grade jetzt mal richtig loslegen mit dem Umfang meines Schaffens.

Freundliche Hinweise
Miriam Pharo hat mal was neues ausprobiert und als erste deutsche Autorin eine Werkschau als App rausgebracht (Hier geht zum Miriam Pharos Werkschau, SciFi und Thriller - artmanns.net). Quasi Bonusmaterial zu ihren Büchern, aber auch zB die komplette SF-Krimiserie Isar 2066.

Aus der Szene
Die große Nachricht die Woche war natürlich, dass die Encyclopedia Britannica ihre Printausgabe aufgibt. Eine Überraschung ist das zwar nur für jene, die die Ankündigungen 2010 nicht mitbekommen (oder zwischenzeitlich vergessen) haben, aber na gut.
In Deutschland kommt so langsam die Vermessung der eBook-Welt ins Laufen: Media Control zählt inzwischen (nach welchem Verfahren auch immer). Höchste Zeit, immerhihn nimmt diese Zahlen inzwischen selbst die Stadtplanung ernst. Zählungen anderswo beginnen die Behauptung in Frage zu stellen, Tablet-Computer würden den eReader-Markt auffressen.
Die Wissenschaftler beginnen unterdessen endlich zu protestieren. Dazu muss man wissen, dass Wissenschaftsverlage sich oft doppelt bezahlen lassen: Von den Forschern zum Veröffentlichen und von den Lesern durch unverschämte Preise fürs Zugänglichmachen. Das ist unlogisch und blutet zudem die wissenschaftlichen Bibliotheken aus, was die Wissenschaft an sich behindert.

18.03.2012

Politische KW 11-2012

Ich sollte kurz erklären, was das hier ist: Wie letzte Woche angekündigt will ich ab jetzt wöchentlich darüber schreiben, was ich als Politiker eigentlich so mache. Und prompt hatte ich den sonst terminarmen Samstag terminlich verbaut, aber dazu später mehr.
Erst muss ich ein wenig ausgreifen, um zu erklären, woher dieser Beitrag und die zugehörige Beitragsserie kommen. Dazu gehe ich einmal zurück zum vorvergangenen Dienstag. Nicht die einzige Situation, die hier eine Rolle spielt, aber letztlich ein guter Schnittpunkt für meine Geschichte. Am vorvergangenen Dienstag also, vormittags, fand auf dem Städtischen Friedhof an der Preyerstraße zwischen Ohler und Pongs die Beisetzung von Joe Hüskens statt. Ein Tod, der in vielerlei Hinsicht einer war, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Ein junger, engagierter Mensch voll Energie, kompetent, positiv. Bekannt und beliebt - nie zuvor habe ich einen derartig gewaltigen Trauerzug gesehen (sicher eine Qual für die Angehörigen, dieser ewig lange Abschied, diese unendlich vielen Beileidsbekundungen von bald ebensovielen Un- und nur Gesichtsbekannten). Das und noch einiges mehr hat mich zu tiefem Nachdenken veranlasst darüber, was ich erreicht habe, was ich erreichen will, was ich eines Tages hinterlasse.
Mit dem Ergebnis bin ich unzufrieden. Ich war und bin immer ein Mensch voller Ideen, das Talent, das ich habe ist es, anders zu denken, mich ausserhalb eingesessener Denkstrukturen bewegen zu können. Das ist es, was Menschen in mir sehen, wenn sie mir immer wieder politische Funktionen anbieten. Erstmals hörte ich den Vorschlag, ich solle in die Politik gehen 1999; er ist seitdem zu einer Art Begleitmusik geworden. Meine Unzufriedenheit speist sich aus einem Laster, welches ich seit langem mit mir herumtrage.
Prokrastination. Es mangelt mir an der Fähigkeit, all die Ideen in meinem Kopf auch umzusetzen. Ich kann nach zwei Jahren auf einige Erfolge zurückblicken, aber fast immer waren das Reaktionen auf konkrete Situationen (das ist nicht alles aber alles, wozu ich Links finde), weniger neu angestoßene Projekte und Vorhaben, wofür ich eigentlich in die Politik gegangen bin. Sicher, in einer Nothaushaltskommune wie Mönchengladbach ist so etwas ohnehin schwer. Es könnte dennoch deutlich mehr sein und es gibt einige Ansinnen, die meinerseits in einem Schwebezustand sind, weil ich die Formulierung der dazugehörigen Anträge immer wieder auf „morgen“ verschiebe. Ich bin nicht mehr bereit, diesen Zug an mir einfach zu akzeptieren.

Hier kommt diese Serie von Blogbeiträgen ins Spiel. Ich brauche Druck, um diese meine schlechte Gewohnheit zu überwinden. Diesen Druck muss ich selbst erzeugen, denn ich bin der einzige, der es bisher geschafft hat, es ein ganzes Leben lang mit mir auszuhalten. Transparenz und vor allem regelmäßige Berichte erzeugen diesen Druck. Sie erzeugen die selbstauferlegte Pflicht, diese Berichte auch zu füllen und sie erzeugen für das Unterbewusstsein das Gefühl, dass es Menschen gibt, die erwarten, dass man regelmäßig etwas vorweist. Das funktioniert in einer gewissen Weise - wenn auch nicht perfekt - beim „eBook-Land“, inzwischen in seiner 22. Woche, und so sollte es bei der Politischen KW auch sein.
Ich werde nicht über alle Vorhaben schreiben. Das kann strategische Gründe haben (die Konkurrenz soll ja nicht zuviel vorher wissen) oder rechtliche (es gibt oft genug Geheimhaltungspflichten). Persönliche erwarte ich zwar nicht, aber man kann nie wissen. Der Druck wirkt also eher in der Weise, dass ich regelmäßig einen wie auch immer gearteten politischen Erfolg oder Fortschritt vorweisen kann. Vieles davon kann man aus den öffentlichen Sitzungen der städtischen Gremien wissen, anderes wie etwa Dinge, die über direktes Gespräch oder eMails mit Verwaltungsmitarbeitern geregelt wurden eher nicht. Nichts davon ist in irgendeiner Weise vertraulich, hofft also nicht auf große Enthüllungen. Wie so ein Beitrag in der Serie dann aussieht? Nun, so, wobei spätere hoffentlich länger werden wenn die Serie mit der Zeit Form mehr annimmt:

Sitzungen: 2 (6 h) | Anträge in Arbeit: 3 | Sonst: 5 h Wahlkampf

Ich habe einen Antrag, der zuletzt von Joe und mir bearbeitet wurde in meine Arbeitsliste genommen. Er ist fertig und war auch schon in der Ampel (bedeutet: Unsere Koalitionspartner SPD und FDP haben ihn zur Bewertung erhalten), wo es jetzt noch ein paar Details zu klären gibt. Ich bin zuversichtlich, dass das funktioniert.
Was mich etwas nervt ist, dass es plötzlich Neuwahlen im Land gibt. Da hat bis etwa einen Tag vor der Entscheidung wirklich keiner mit gerechnet und entsprechend unvorbereitet trifft uns das. Bis zum 13. Mai einen Wahlkampf auf die Beine zu stellen und den auch durchzuführen ist schwierig und wird eine Menge Zeit fressen, die ich für andere Vorhaben brauchen könnte. Hoffentlich nicht zuviel. Immerhin haben wir es geschafft, bis zum Samstag einen Stand an der Hindenburgstraße aufzubauen, was einige Kommentatoren offenbar erstaunt.
Nunja, die Arbeit bestand darin, zwei Klapptische samt Hussen und Sonnenschirmen aus dem Lager ins Büro zu bringen, wo sie dann Samstag abgeholt wurden. Das ist mit drei Leuten in der Zeit zwischen Mittwochabend und Samstagmorgen durchaus schaffbar. Dazu dann noch schauen, welches noch vorhandene Material aus den letzten Wahlkämpfen neu ausgepackt werden kann und fertig ist der Stand. Und unser „Ballonmensch“ hat eh immer Ballons und eine Heliumflasche im Haus. Und „Wahlkämpfen“ ganz oben in seiner Hobbyliste.

16.03.2012

eBooks und das liebe Geld

Oder das böse Geld, je nachdem wie ihr das eben haltet, das ist ja trotz aller römischen Kloweisheiten immer noch eine strittige Frage. So oder so ist die Frage der angemessenen Bezahlung eine der größten unter eBook-Autoren und auch eine der unbeantwortetsten (ja, ich weiss, dass man das nicht steigern kann, ich ignoriere es lediglich um einen halbwegs graden Satz bauen zu können ohne eine Klammer einfügen zu müssen, die mehr als eine komplette Zeile lan... ach, Mist).

Ich muss ehrlich sagen, dass die Frage für mich nur in geringem Maße eine ist. Ich verlange einfach, was ich bezahlen würde. Diesen Sinn habe ich über Jahre durch Flohmarktbesuche geschärft, was ich jedem empfehlen kann, der Preisfindung für Objekte ohne festen Warenwert trainieren will. Also: Indie-Autoren, geht auf den Trödelmarkt. Mindestens einmal auf jeder der beiden Seiten des Tisches (oder Teppichs, oder Anhängers, oder was auch immer als Verkaufsfläche dient). Dort kann man dann lernen, was die Dinge den Leuten wirklich wert sind statt was die Hersteller ihrerseits gerne dafür verlangen. Grade bei Kultur (sprich: Büchern, aber auch Filmen, weniger bei Videospielen) ist die Differenz zuweilen enorm. Mein Preismuster, eBooks im Bereich von 0,89 bis 4,99 € anzubieten und alle Preise darüber nur für wirklich, wirklich verdammt gute Autoren sowie einige Sachbücher mit ausreichend hohem Informationsgehalt gelten zu lassen kommt aus diesen Erfahrungen in der Frage, was den Leuten ein Buch wirklich wert ist.

Nun höre ich bereits den Aufschrei, für eine solche mit Herzblut über Monate wenn nicht Jahre geschriebene Arbeit wie den eigenen Roman könne man nie im Leben so wenig Geld verlangen. Dem liegen mE zwei fehlerhafte Wahrnehmungen zu Grunde:

  1. Der Preis wird vom Autoren am Einzelexemplar beurteilt
  2. Der Preis wird mit gedruckten Büchern verglichen ohne zu sehen, wieso diese eigentlich so teuer sind
Und weil da jetzt schon niedliche kleine Zahlen davorstehen fang ich mit dem ersten Punkt an. Ist auch kürzer anzugehen:
Beim Schreiben des Buches entsteht nur einmal Arbeitsaufwand, weitgehend unabhängig davon, wie oft sich das Buch verkauft. Ich sag „weitgehdn“, weil Marketing ja durchaus einen Einfluss hat, aber auch dieser Aufwand und diese Kosten fallen nur einmalig an und sind zudem freiwillig. Die zentrale Leistung beim Schreiben ist das Schreiben und das ist in der Regel abgeschlossen, sobald das Buch raus ist.
Der Verdienst aber fällt jedes Mal an, wenn ein Exemplar verkauft wird. Der Autor lebt nicht von den Tantiemen eines Buches, sondern von den Tantiemen seiner Gesamtauflage. Diese sind für den Autoren ausschlaggebend. Wofür das Buch beim Kunden landet kann ihm relativ egal sein, worauf es ankommt ist, den Preis so einzustellen, dass ein möglichst hoher Betrag bei ihm ankommt - dazu kann es eine bessere Strategie sein, viele Exemplare billig zu verkaufen als wenige oder gar keine teuer (muss aber nicht). Der einzige, für den der Preis eines Einzelexemplars eine entscheidende Rolle spielen sollte ist der Leser.

Die zweite Wahrnehmung gründet einfach darin, dass der Durchschnittskunde nicht weiss, welche Kosten alle in ein Buch einfließen. Es sind ja nicht nur Druck, Marketing, Verkauf, Steuer und Lektorat. Nein, viel wichtiger ist das aufgeblähte Management, das auf jeder dieser Ebenen verdient. Verlagshäuser sind riesige Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Anwälten, Steuerberatern, Handelsvertretern, Organisatoren, Werbeleuten usw. usf. Der Buchhandel nimmt sich vom Preis mal eben 50-60% vom Ladenpreis, die sich Grossist und Buchladen teilen. 5% Druckerei, 7% Mehrwertsteuer, etliches an Kleinkram... am Ende erhält der Autor zwischen 8 und 12% vom Preis des Buches (in der Regel 8%, bewährte Autoren 10%, Bestseller bis zu 12%). Und selbst wenn die Verlage wollten, könnten sie nicht mehr bezahlen, denn sie haben ihre eigene Verwaltung und den ganzen Arbeitnehmerapparat zu bezahlen. Deshalb ist auch Imre Töröks Forderung, die Verlage sollten Autoren fair bezahlen unsinnig - die Verlage könnten die Autoren nicht einmal fair bezahlen ohne damit Harakiri zu begehen, wenn sie wollten.
Indie-Autoren haben diesen ganzen Überbau nicht. Und das macht einiges aus: Verkauft ein Indie-Autor ein Exemplar eines Buches für 2,99 €, hat er davon etwa 2 € Einkünfte. Für die selben Einkünfte müsste ein verlagsgebundener eBook-Autor (der etwa 20-25% des Verkaufspreises erhält) ein Buch für etwa 8-10 € verkaufen, der Verfasser eines Printbuches muss dem Kunden dafür 20 € abnehmen. Oder kurzgefasst: Aus Autorensicht entspricht ein Verkauf eines eBooks für 3 € dem Verkauf eines normalen Buches für 20 €. Die Einkünfte aus einem eBook für 9,99 € entsprechen denen aus einem Papierbuch für etwa 70-80 €.
Ich bin der festen Überzeugung, wer meint, eBook-Preise seien zu gering weiss mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, wie wenig Autoren eigentlich an einem klassisch verlegten Buch verdienen. Wenn gleichzeitig Autoren mehr Geld verdienen können und Leser dafür weniger Geld ausgeben müssen, dann nenne ich das eine Win-Win-Situation, die zu bekämpfen keine gute Idee wäre. Klar, die großen Verlierer hierbei sind die plötzlich ausserhalb des Spiels stehenden Verleger, die vom notwendigen Mittelmann zu jemandem geworden sind, der beim Kontakt zum Kunden nur noch im Weg steht. Ich glaube aber, dass mit der Unabhängigkeit der Autoren mehr gewonnen ist als durch den Untergang des Verlagswesens verloren geht. Kulturell wie auch was Arbeitsplätze angeht (das Management wird arbeitslos, dafür können dank höherer Einkünfte künftig deutlich mehr Autoren vom Schreiben leben).

Und das ist, in einem Beitrag, weshalb ich es nicht verstehe, wenn selbstverlegte Autoren sich über zu niedrige eBook-Preise aufregen.
Es gibt noch einige zusätzliche Fragen, die da rein spielen, etwa die sozialpolitische Frage nach dem Zugang zu Wissen und Kultur für einen möglichst breiten Bevölkerungsanteil. Aber das ist nochmal eine andere Diskussion.

Nachtrag für FeministInnen, Feminist_innen usw.: Ja ich weiss, dieser Text ist nicht gegendert. Sind meine Texte fast nie, aber normalerweise tauchen in meinen Texten auch keine Berufsbezeichnungen in solcher Dichte auf. Daher ein paar vorläufige Sätze hierzu: Ich halte es - da bin ich mit den russischen Feministen einig - für diskriminierend, männliche und weibliche Autoren (oder sonstige Berufsstände) sprachlich zu unterscheiden. Ich überlege daher derzeit, einfach die Berufsbezeichnung mit dem Artikel „das“ zu verwenden, das ergibt nicht annähernd so üble grammatisch-orthografische Verrenkungen wie der ganzen „-innen“-Quatsch. Manchmal merkt man mir den Sprachwissenschaftler halt doch an. Dazu mehr, wenn ich mir eine abschließende Meinung dazu gebildet habe.

13.03.2012

eBook-Land Woche 21

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 66,44 € | Händler: 6
In eigener Sache
Heute also ist mein Angebot klassischer SF-Romane um ein weiteres Buch gewachsen, denn Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 001: Der Beherrscher des Luftmeeres ist seit heute für 0,89 € bei Amazon erhältlich. Wie in dem letzten Blogbeitrag vor diesem erwähnt habe ich dabei auch mein Vorgehen bei der Konvertierung ins eBook-Format gewechselt: Statt meine Textverarbeitungssoftware eine html erzeugen zu lassen mache ich das jetzt von Hand und kopiere dabei den Text kurzerhand rüber, nachdem ich ihn in der Textverarbeitung aufgeschrieben habe. Das ist ein wenig aufwendiger, führt aber zu saubereren Ergebnissen im schlussendlich erzeugten Code.
Die Umstellung ist dabei relativ gering - all zu viel Raum nimmt der Code neben dem sichtbaren Text nicht ein und da ich schon die zweite und auch die kommende dritte Auflage von Dieses Cover ist Müll! direkt im Code bearbeite hab ich mich ohnehin dran gewöhnt.
Was mich dabei jetzt ein wenig annagt ist, dass von den vier Titeln, die ich bis jetzt rausgebracht habe nur einer von mir ist. Das gefällt mir ganz einfach nicht, also werde ich etwas dagegen tun: Ich widme mich diese Woche gezielt der Fertigstellung der dritten Auflage von Dieses Cover ist Müll und direkt danach von Feuchten Fußes. Feuchten Fußes, ebenso wie sein schon geplanter Nachfolger Schwarzer Schwinge, wird ein für mich persönlich interessantes Experiment, da es sowohl ein Sachbuch als auch eine Kurzgeschichte ist. Es gehört in das kleine Genre der Xenofiction, Geschichten mit nichtmenschlichen Hauptfiguren, ein Genre, das mich seit meiner Kindheit fasziniert hat. Die erste Hilfe bietet dabei eine Geschichte um die Lebewesen, die auf der Schwelle zum jeweiligen evolutionären Durchbruch (Schritt an Land, Entstehung der Vögel) stehen, die andere Hälfte liefert die wissenschaftlichen Fakten dazu. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis, das hoffentlich nächste Woche endlich fertig ist, ankommen wird.
Gleichzeitig stelle ich meine Romanprojekte erstmal zurück. Ich werde etwas hinzufügen, wenn es mir spontan einfällt und lohnend erscheint, aber ich werde die Romane (Castor, Sünde, Neanderthalensis) vorerst warten lassen. Sie brauchen einfach zu lange und ich denke es ist momentan eine bessere Idee, einen Grundstock aufzubauen, um dann mit mehr Ruhe an diese Werke gehen zu können. Statt dessen konzentriere ich mich auf die Sachbücher und kurze Formate wie eben die Reihe Meilensteine der Evolution, da diese in kürzerer Zeit schreibbar sind. Vergessen werde ich die Romane aber mit Sicherheit nicht - sie sind immer noch das große Ziel meines Schreibens. Die Übung, die ich durch die vorgezogenen Projekte erhalte tut ihnen vielleicht sogar ganz gut. Insbesondere hinter Neanderthalensis steht eine Idee, die von einem erfahreneren Schreiber besonders profitiert.

Aus der Szene
Während in der Schweiz eine Volksabstimmung die Buchpreisbindung endgültig abschafft agiert auch die deutsche Bundesregierung in Sachen eBook-Preise - indem sie eine ermäßigte Mehrwertsteuer und somit Gleichstellung mit Printbüchern klar verneint. Mit einer Begründung, die sich herunterbrechen lässt auf “Woll'n wir halt nicht„. Wahrscheinlich soll sich das Hotelsteuer-Debakel nicht wiederholen.
Unterdessen hat die Welt Spass mit falschen Übersetzungen von juristischen Fachbegriffen und macht aus einer Beschwerde gegen Preisabsprachen der Verlage untereinander und mit Apple einen Angriff auf die Buchpreisbindung in Deutschland. Schön wär's.
Apropos Welt. Die gehört ja zum Axel-Springer-Konzern, der sich erst letzte Woche in Begleitung einiger anderer Verlage das Leistungsschutzrecht erkämpft hat. Bereits am nächsten Tag wird ihnen plötzlich klar, dass das eine ziemlich schlechte Idee für einen Verlag sein könnte, der regelmäßig anderswo abschreibt und kommt für Twitterer kurzerhand zu der Lösung, diese per Dreifachraute ihre Leistungsschutzrechte abtreten zu lassen. Wer braucht bei sowas noch Satire?
Und nun zu etwas völlig anderem: Google verschmilzt seine Medienplattformen und somit haben wir inzwischen Google Play. Unterschiede zu bisher sind mir soweit keine aufgefallen, es gibt nur ein paar neue technische Probleme. So erschein etwa beim Versuch, meine Sammlung zu sehen die Fehlermeldung „We're sorry, the document you requested is not available in your country.“. Wohlgemerkt bei meiner Büchersammlung, nicht bei einzelnen Büchern in meiner Sammlung.

Der Beherrscher des Luftmeeres

Hui mal wieder ein kleines Buch-Making-Of. Diesmal wieder ein gemeinfreies Werk in eBook-Form: Der Beherrscher des Luftmeeres, der erste Band der Heftromanreihe Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Nun denn:

Das Buch (naja, Heft)
Der Luftpirat, erschienen ab 1908, war die vermutlich erste Science-Fiction-Heftromanreihe. Sie dreht sich um die Figur des Kapitän Mors, ein rätselhafter Ingenieur und Menschenrechtsidealisten. Nachdem eine Gruppe von Aufrührern, denen er sich nicht anschließen will, sein Anwesen in Georgien zerstört und seine Familie ermordet flieht er und baut im verborgenen sein größtes Werk: Ein lenkbares Luftschiff von nie dagewesener Größe und Geschwindigkeit. Auf dem Erdboden fälschlich als Verbrecher verfolgt erklärt er sich zum Beherrscher der Lüfte und nimmt aus Rache den Kampf gegen all jene auf, die sich gegen Freiheit und Menschenrechte stellen.
Beim Lesen und übertragen des Texte kam mir sofort eine klare Assoziation in den Sinn: Steampunk-Batman!
Mors ist ein im verborgenen lebender, hochgebildeter Verbrecherjäger mit Geheimidentität, der vorzugsweise nachts aus der Luft auf seine Gegner herabstößt und dabei Angst und Schrecken verbreitet. Er verfügt über Technologie knapp jenseits dessen, was seine Zeitgenossen haben und trägt eine Maske. Gebt dem Mann Fledermausohren und rasiert ihm den Bart ab und ihr habt den Vater von Bruce Wayne. Das ist vermutlich reiner Zufall, aber dennoch amüsant.
Der Luftpirat markiert einen interessanten Moment in der Science-Fiction, nämlich den Endpunkt jener Zeit, die heute das Genre des Steampunk inspiriert. Flugzeuge konnten damals bestenfalls um die 100 Meter hüpfen. Luftschiffe waren die große Zukunftstechnologie, angetrieben von den Erfolgen des Grafen Zeppelin in Deutschland und des Erfinders Santos-Dumonts in Frankreich. Und hätte das Flugzeug im Ersten Weltkrieg nicht den gewaltigen Entwicklungsschub erhalten, den es dank des Militärs bekam, hätte unsere Gegenwart sehr anders aussehen können. Inzwischen hat sich ein eigenes Genre der Science-Fiction zu diesem längst vergangenen Zeitalter herausgebildet, der aktuell sehr erfolgreiche Steampunk.
Der Beherrscher des Luftmeeres ist der erste Band der Serie und führt den Hauptcharakter, einige seiner Crew und seine Feinde ein. Die Geschichte lässt sich, wie jeder Band der Serie, allein lesen und ist sehr kurz.

Beim Text habe ich ein neues Verfahren gewählt: Statt wie bisher den Text in LibreOffice zu verfassen und von diesem in HTML abzuspeichern habe ich ihn diesmal zwar in LibreOffice geschrieben (direkte Abschrift des Originals), dann aber per Kopieren/Einfügen in eine einfache Textdatei übertragen und den HTML-Code manuell hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein deutlich sauberer HTML-Code, der sich besser und reibungsloser in das eBook-Format übertragen lässt. Das alte Verfahren hatte hin und wieder Fehlermeldungen produziert, die ich erst bearbeiten musste, jetzt klappt es reibungslos. Dieses Verfahren werde ich in Zukunft immer wählen. Die Rechtschreibung habe ich wie bei den beiden englischen Bänden zwecks Authentizität beibehalten, was insbesondere bei den ß auffällt. 1908 schrieb man bereits die deutsche Einheitsschreibung nach Duden, daher sind hier wenig Stolperfallen zu erwarten.

Das Cover
Anders als mein erstes veröffentlichtes gemeinfreies eBook, Armata hatte dieser Band zwar ein eigenes Cover, aber es war leider nicht in brauchbarer Auflösung zu haben und alles was ich hatte war eine modifizierte Schwarzweiss-Version aus einem modernen Sammelband. Also nahm ich, was ich hatte und puzzelte daraus ein neues Cover zusammen.
Dabei folgte ich einem Stil, den viele Volksausgaben größerer Bücher damals verfolgten: Ein schwarzes Titelbild mit einem verkleinerten Abbild des Originaltitelbildes in der Mitte. Das Logo hatte ich online von einem Bild von Band 45 und war anscheinend immer so schief. Das Titelbild von einem anderen online gefundenen Bild des Covers der ersten Ausgabe nahm ich dazu und vergrößerte soweit ich grade noch vertreten konnte. Das Ergebnis ist beim näheren Ansehen keine Schönheit, funktioniert aber und ist zumindest auch nicht wirklich schlecht. Es hat ein wenig vom Flair dieser Zeit.
Die Titelschriftzüge setzte ich in der dem Original nahen Schriftart Leipzig Fraktur, eine sehr gute freie Frakturschrift, die auch die wichtigsten Ligaturen und sowohl das lange als auch das runde s enthält. Das war hier wichtig, da ich beide S-Formen brauchte. Im Gegenzug merke ich grade, dass ich das "ch" nicht als Ligatur gesetzt habe. Naja, es gibt schlimmeres und der Upload ist nunmal schon erfolgt. Trotzdem blöd.
Der Kontrast zwischen Antiqua-Logo und Fraktur-Titel war übrigens schon im Original enthalten.

Einstellen
Blieb noch, das ganze bei Amazon hochzuladen und auf die Freischaltung im Shop zu warten.
Eine Weile hatte ich überlegt, das Heft nach dem Preisschema für moderne Heftromane für 1,49 € zu verkaufen. Da es aber sehr kurz ist, bin ich letztendlich doch beim Amazon-Mindestpreis von 0,89 € geblieben.
Nun denn, Sonntag abend eingestellt und heute gegen 5 Uhr morgens (laut eMail-Benachrichtigung) online gegangen. Das war etwas länger als die letzten Werke, aber immer noch in Ordnung.

Schlussgedanken
Das Cover ist nicht ideal und sobald ich die Möglichkeit erhalte, einen Scan des Originals zu machen oder zu bekommen, tausche ich es aus. Immer noch unschlüssig bin ich, ob ich den Text nicht doch noch in die neue Rechtschreibung oder gar meine Hausorthografie übertragen soll. Grammatik und wortwahl unterscheiden sich nur äusserst geringfügig vom modernen Gebrauch, ein echtes Problem wäre das also nicht.
Aber dafür ist wenigstens bei den Anführungszeichen inzwischen alles klar: Die Leserschaft will offenbar die aus der Schule bekannte deutsche Setzung, also hat dieses Buch genau diese auch bekommen. Wenigstens eine Detailfrage abgehakt.
Wenn dieser Band funktioniert folgen die anderen irgendwann in bunt gewürfelter Reihenfolge (erstmal muss man an die Hefte rankommen, 9 Hefte scheinen überhaupt nicht mehr vollständig zu existieren). Und damit ran ans nächste Projekt.

11.03.2012

Politisierung

Kleine Ankündigung: Ab kommenden Samstag will ich einen alten Brauch aus meinen Zeiten im düsseldorfer AStA wiederaufleben lassen: Ich werde einmal wöchentlich berichten, was ich politisch als gewählter Volksvertreter so getan habe.
Das hat zwei Zwecke: Erstens soll es die Transparenz meiner Arbeit erhöhen und sie nachverfolgbar machen und zweitens soll es den Druck auf mich selbst erhöhen, weniger stark zu prokrastinieren, denn das ist bei mir ein ernsthaftes Problem. Diese neue Entwicklung hat ihre Hintergründe, der sicherlich heftigste Weckruf weniger gemächlich an meinen politischen Zielen zu arbeiten war der Tod meines Ratskollegen Joe Hüskens, der deutlich die Frage nach vorne gebracht hat, was ich eines Tages hinterlassen werde. Seitdem bin ich deutlich geschäftiger geworden und das ist wohl nicht das schlechteste. Diesen Impuls will ich langfristig erhalten.
Den Samstag habe ich gewählt, weil das der Tag ist, an dem ich gewöhnlich keine irgendwie gearteten Termine habe, die dem im Weg stehen. Wenn ich die selbe Regelmäßigkeit wie bei eBook-Land erreichen kann ist das schonmal ein großer Schritt, um meinen inneren Schweinehund weiter zurückzudrängen.

06.03.2012

eBook-Land: Woche 20

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 58,76 € | Händler: 6
In eigener Sache
Fangen wir mit einem rückwärtigen Rudermanöver an: Meine Analyse der Umsätze von eBooksfuerlau muss warten, da es da überraschend neue Entwicklungen gibt. Konkret hat genau ein Tweet mit einem Verweis auf nur ein Buch die komplette Statistik aus dem Gleichgewicht geworfen. Jetzt muss ich erstmal abwarten, wie sich das weiter entwickelt und darf dann komplett neu in die Statistik gehen. Das ist überraschend, weil ich nicht gedacht hätte, dass bei knapp 800 Klicks pro Monat ein einzelner Titel nochmal so ausschlagen kann.

Bieten kann ich dafür die Ergebnisse der Umfrage, welche Anführungszeichen die besten für die Buchgestaltung sind. Nachdem ich mit dem Ergebnis der Umfrage hier etwas enttuscht war (4 Teilnehmer), habe ich sie noch einmal bei Toluna erstellt und dabei die Frage etwas präzisiert, indem ich „in Büchern“ hinzufügte. Die Teilnehmerzahl war nicht wirklich repräsentativ (36), aber ich hätte die Frage ja auch nicht gestellt, wenn sie einfach wäre. Auch so ist der Vorsprung jener Zeichensetzung, die wir aus der Schule kennen deutlich, knapp über ⅔ sprachen sich dafür aus. Das hat mich überrascht, da die Setzung mit den Spitzklammern ähnlichen französischen Anführungszeichen weit verbreitet ist. Während ich dies schreibe greife ich den erstbesten Roman aus meinem Regal, kriege Der Rote von Bernhard Kegel in die Finger und sehe prompt traditionell französische Anführungszeichen. Ich suche weiter und finde endlich eine Ausnahme - eine alte Ausgabe von Solaris, die wörtliche Rede gar nicht mit Anführungszeichen versieht. Sonst immer mit einer der beiden französischen Varianten. Hmm. Nach 14 Bänden habe ich endlich einen gefunden, der deutsche Anführungszeichen verwendet - aber der ist ohnehin in Fraktur gesetzt und entsprechend alt.
Wenn also unter den Lesern ein Buchgestalter ist: Woher kommt diese Diskrepanz? Hat es einen Grund, warum kaum ein Roman die deutschen Anführungszeichen verwendet?
Hier die Ergebnisse der beiden Umfragen:


Freundliche Hinweise
Lindsay Buroker hat den dritten Band ihrer Steampunk-Reihe Flash Gold mit dem Titel Peacemaker herausgebracht. Er ist jetzt bei Amazon und Smashwords erhältlich.

Aus der Szene
Eine relativ ruhige Woche, fand ich, nur zwei Schlagzeilen von wirklich nennenswertem Einfluss. Das erste ist eine Fortsetzung der Versuche einzelner eBook-Verkäufer, mehr Einfluss auf ihr Programm zu nehmen. Diesmal ist es ein für Kenner üblicher Verdächtiger - Apple weigert sich, Bücher mit Links zu Amazon in den Verkauf zu nehmen. Da es mit Seth Godin einen der prominenteren eBook-Autoren und zudem einen Marketing-Experten getroffen hat dürfte das seitens Apple eine wirklich schlechte Idee gewesen sein. In Deutschland unterdessen lamentiern die Zeitungsverlage, angeführt vom Axel-Springer-Verlag (wem sonst) sich das Recht herbei, Geld dafür zu erhalten, dass Internetanbieter (allen voran Google) ihre Inhalte zitiert und damit Leser auf die Webseiten der Zeitungen bringt.
Gleichzeitig eine Unterhöhlung des Zitatrechts und ein Schuss ins eigene Knie, da die eigenen Angebote so schlechter gefunden werden und die Einkünfte der Zeitungen im Online-Bereich mangels Leser tiefer in den Sinkflug gehen als zuvor. Das ist schon ein besonderes Kunststück.

05.03.2012

eBook-Cover des Monats Februar 2012

Im Februar sind mir nicht ganz so viele wirklich gute Cover aufgefallen wie zuvor. Das ist schade, kann aber an meinem etwas knapperen Zeitbudget diesen Monat gelegen haben. Auffällig ist, dass diesmal deutlich mehr realistisch gemalte Cover dabei sind. Das ist wohl Zufall, die Cover sind ja nicht alle aus dem Februar, sie sind mir nur im Februar erstmals aufgefallen.
Also dann:

10. The Audacity of Dope
Ein Cover, das das Thema des Romans klar visualisiert: Cannabis und Flugzeugterrorismus. Dass allerdings die Sache mit dem Flugzeug und die darauf folgenden politischen Verwicklungen für die Geschichte deutlich zentraler sind als die Drogen könnte einige Leser befremden. Der Titel mischt da allerdings fröhlich mit.
Dafür gibt es dann also Punktabzug und nur Platz 10: Ein Cover sollte dem Leser die Stimmung und möglichst auch den Inhalt eines Romans verraten. Dieses Cover schafft das so grade noch und es ist für sich genommen auch sehr attraktiv, ein paar Details sind jedoch nicht stimmig.

9. Desolate
Eins Strafkolonie vor der antarktischen Küste ist der Handlungsort dieses Romans. Auch hier gilt wieder: Sehr attraktives Cover, das dem Titel und Ort des Geschehens gerecht wird. Das Problem ist, dass das Buch einen völlig anderen Fokus als die Kälte und Lebensfeindlichkeit des Kontinents hat und eher in Richtung Das Ding aus einer anderen Welt geht.
Ich vermute, das Coverfoto wurde quasi ohne Budget mit der eigenen Kamera gemacht, als es grade ausreichend verschneit war. Dafür ist es sehr gut und es ist wohl kaum die Schuld des Budgets, wenn das Bild nur einigermaßen passt. Immerhin passt es halbwegs und sieht gut aus. Die Gänge des Gefängnisses oder die Mine zu zeigen war dagegen wohl einfach nicht ohne mehr Geld möglich. Insofern: Das Ideal aus dem herausgeholt, was möglich war. Hat immerhin noch für die Top-10 gereicht.

8. Winter Woman
Winter Woman setzt aussergewöhnlich gut den Gestaltungsgrundsatz um, ein Cover einmalig zu gestalten und zugleich vertraut zu wirken.
Die Schriftart und das Motiv des Pferdetrecks verraten recht schnell das Genre (Western), aber die Farbgestaltung hebt sich deutlich von den im Genre üblichen Gelb- und Brauntönen ab. Es hilft natürlich, dass das Buch das passende Szenario bietet. Ein Blizzard ist im Western ein eher seltenes Ereignis, obwohl es für die Siedler im Winter natürlich alles andere als ungewöhnlich war. Den Schneesturm auf dem Cover darzustellen hilft, eine der Besonderheiten des Buchs herauszustellen.
Schade nur, dass dabei der im Buch wichtige Konflikt mit den Mormonen und dem Indianer untergegangen sind. Seine Aufgabe, das Auge des Lesers auf sich zu ziehen und ihn zum weiteren Informieren über den Inhalt des Buches zu bewegen, schafft es aber locker.

7. Guide to Learning Python Decorators
Juhu, ein Wortspiel!
Die schönsten Wortspiele sind jene, die man erst auf den zweiten Blick erkennt während der erste Blick einen nur zu einem „Was zum...“ bringt. Dieser Effekt des ersten Blicks lockt das Auge und lädt dazu ein, sich näher mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Das ist dann die Gelegenheit, den potenziellen Käufer zu einem tatsächlichen Käufer (und vielleicht sogar Leser) zu machen.
Um dem Autor dieses Buches das Geschäft zu vermiesen: Was Sie hier sehen ist der weisse Streifen in der Seite eines grünen Baumpython, also eben eine Pythondekoration. Das eigentliche Buch handelt natürlich nicht davon, wie man Schlangen dekoriert (hmm, warum eigentlich nicht?), sondern von einer besonderen Notationstechnik in der gleichnamigen Programmiersprache.

6. Don Coyote de la Merika
Vielleicht finde ich noch heraus, was der Titel mit der Geschichte zu tun hat, aber immerhin setzt das Cover den Titel gut um. Das einzige, an was man sich bei Don Quichote meist erinnert ist dass er gegen Windmühlen kämpfte. Diese Windmühlen sind immer noch da, nur sind es jetzt Windkraftwerke statt Häuser mit großen, windgetriebenen Mühlsteinen. Die Welt der Geschichte ist eine postapokalyptische Zukunft, aber gut zu wissen, dass es auch in dieser noch Windräder gibt.
Kein perfektes Cover für das Buch (es sei denn, da kommt nach der Leseprobe noch etwas deutlich anderes), aber ein perfektes Cover für seinen Titel. Unter der Annahme, dass der Coverdesigner wie so oft nur den Titel kannte: Sehr gelungen.

5. Flavours of Thought
Frage -> Nachdenken -> Idee!
Ein Cover, drei Bilder, ein kleiner Comic. Das Motiv geht aber über das Offensichtliche hinaus: In dem Buch geht es darum, Gedanken in insgesamt 21 kategorien einzuteilen, die wiederum zu drei Obergruppen gehören. Aus diesen sollen sich dann Kombinationen bilden lassen können, um mit typischen Problemen wie vorübergehender Depression, Selbstzweifeln und ähnlichem besser umgehen zu können. Was das Buch taugt, weiss ich nicht, ich niege dazu, von diesen ganzen Psychoberatern Abstand zu halten. Aber das Cover setzt den Grundgedanken grafisch einfach um, bildet aus den drei Einzelbildern eine Art kurze Geschichte und bleibt ansonsten zurückhaltend in schlichtem Schwarz, was sich positiv von der grafisch oftmals überladenen und bunten Konkurrenz und vor allem der Farbigkeit der Mitbewerber aus dem benachbarten Esoterikmarkt abhebt.

4. The Tinkerer's Daughter
Clockpunk! Ich mag Clock und Steampunk und bin damit offenbar alles andere als allein.
Dieses Cover ist relativ einfach, es zeigt eine Frau in typischer Steampunk-Kleidung (was man verkleinert eider nur schlecht erkennt) mit einem Wolf vor einigen Zahnrädern. Die Zahnräder sind es, die das Genre verraten, sie sind typisch für die Ästhetik des Genres. Die Farbgebung der Zahnräder fällt etwas aus dem Rahmen und auch der Wolf ist kein typisches Merkmal bei solchen alternativen Zukunftsszenarien.
Der Wolf hat seinen Grund, denn das Buch mischt Steampunk mit klassischer Fantasy in Form einer halbelfischen Protagonistin und einer Fantasywelt. Dass man das nicht wirklich sieht ist noch zu verschmerzen, denn Clockpunk ist ein sehr kleines Genre und Werke in dieser Ästhetik fallen noch immer auf. Die Frage ist natürlich, wie lang das so bleibt.

3. Thirst
Das ist ein interessantes Cover. Ich weiss selbst nicht, woran, aber die Zuordnung zum Vanmpirroman fällt ohne eine einzige Blutspur oder sichtbare Eckzähne überraschend leicht. Wahrscheinlich ist es der einfache Titel in Kombination mit der schwarzen Farbe und der Symbolik des Kreuzes, das neben seiner klassischen Bedeutung im Christentum inzwischen auch eine Bedeutung als Waffe gegen Vampire angenommen hat. Das allein ist schon eine interessante Entwicklung, die etliche Soziologen im Brot halten wird.
Die verdeckten Augen, die Spitze und dieses leichte Lächeln auf den Lippen fasse ich in einem Wort zusammen: Sexy! Was passt, wenn man an die sexuelle Natur des literarischen Vampirmotivs denkt.

2. Manly Knits
In meiner Zeit im düsseldorfer AStA hat einer unserer Referenten einen Kurs „Häkeln für Männer“ gegeben. Entsprechend begeistert bin ich von der Existenz eines solchen Buches. Es ist nicht das seltsamste Buch in meiner Sammlung (das wäre dieses hier), aber es hat schon ein gewisses Grundniveau an Seltsamkeit.
Der gehäkelte Helm als Grundmotiv bringt ganz klar rüber, was man von diesem Buch zu erwarten hat, der Titel macht es dann unmissverständlich. Ob es sein Ziel erreicht, Männern ein eher ungewöhnliches Hobby beizubringen, kann ich nicht beurteilen. Aber jene, die es bereits betreiben können jetzt zumindest ein Buch vorzeigen, das lästige Fragen ein für allemal beendet. Das nennt man dann wohl Fortschritt.

1. Kaiserkrieger 1: Die Ankunft
Auch in der Science-Fiction muss man das Rad nicht neu erfinden und entsprechend einfach ist der Grundgedanke von Kaiserkrieger, übrigens dem einzigen deutschsprachigen Werk diesen Monat: Ein Kreuzer des Deutschen Kaiserreichs kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet sich plötzlich im Alten Rom wieder, kurz vor seinem Untergang. Und von da an mischt man dann in den lokalen Angelegenheiten mit und bringt kräftig die Geschichtsschreibung durcheinander.
Diese Prämisse wurde grafisch naheliegend und ohne Schnickschnack umgesetzt: Eine Galeere zerbricht am Rumpf des etliche Jahrhunderte moderneren Kriegsschiffes. Simpel, aber für Fans des Genres reicht das vollkommen um zu erkennen, worum es geht.