15.12.2007

Fassadenbegrünung

© Thorwald BrandweinZiel: Verbreitung von Kletterpflanzen in der Stadt
Ebene: kommunal
Politische Einordnung: grün

Die Propagierung verstärkter Fassadenbegrünung (etwa durch Steuererlässe bei begrünter Fassade) ist mehr als nur eine ästhetische Idee. Ein solches Vorhaben wirkt sich in mehreren Bereichen positiv aus, viele davon spiegeln konkrete Probleme von Städten im frühen 21. Jahrhundert wieder:

Feinstaubfilterung
Das ist vielleicht der momentan zugkräftigste Punkt: Unter den Blättern von Kletterpflanzen wie Wildem Wein und Efeu wird Feinstaub gebunden. Ist ein Großteil der Gebäude, an denen dies im Stadtgebiet möglich ist, mit solchen Kletterpflanzen bewachsen, sinkt die Feinstaubmenge beträchtlich.
Der gefilterte Staub wird im Herbst durch Regenwasser gebunden und belastet die Lungen nicht weiter.
Das spricht übrigens auch (neben dem verbesserten Schallschutz durch das Blätterdach) für eine konsequente Begrünung von Schallschutzwänden.

Energiespareffekt
Das ist in Europa kaum signifikant, aber im Sommer schützen die Blätter Häuser vor der Sonne.
Da Klimaanlagen hierzulande aber eher selten Verwendung finden ist das eher ein in anderen Ländern (etwa den USA) wichtiger Punkt.

Mauerschutz
Die richtige Kletterpflanze schützt mit ihren Blättern und Trieben die Mauer, auf der sie wächst vor Wettereinflüssen.
Das konnte ich selbst beobachten, als ich Wilden Wein von einem Dach entfernte, um die Dachpappen zu erneuern: Dort, wo Wein die Pappen überwachsne hatte wirkten diese gradezu wie neu, wo kein Wein gewachsen war, waren sie rissig und hart.

Lebensraum
Der Bau menschlicher Behausungen geht immer auf Kosten natürlichen Lebensraumes, der sich sonst dort erstrecken würde, wo das Haus steht, vor sich.
Diesen Effekt kann man unter anderem mit Begrünung kompensieren, da diese zahlreichen Insekten und bei einigen Pflanzen auch Vögeln Platz und Nahrung bietet. Vor allem der Wilde Wein nährt im Spätsommer ganze Bienenschwärme und im Herbst und über den Winter dann Beeren essende Vögel wie Amseln mit seinen Blüten bzw. Beeren.
In überwachsenen und somit verborgenen Ecken hinter der Blätterwand brüten auch Vögel. Ich konnte in den letzten Jahren Pimpfe, diverse Meisen, Schwalben und Mauersegler hinter Kletterpflanzen brüten sehen, die Bedeutung als Nistplatz dürfte etwa so groß sein wie bei einer Hecke, allerdings mit anderen Vogelarten.

Ästhetik
Dann ist da natürlich noch der ästhetische Aspekt: Eine Stadt mit viel Grün wird als angenehm empfunden.
Oft sind Bäume aber problematisch, weil sie zuviel Licht abhalten und vor allem enge Straßen so düster machen. Kletterpflanzen nehmen weder Licht noch Platz und lassen sich auch problemlos mit Bäumen kombinieren.

Lufterneuerung
Wie alle Pflanzen filtern auch Kletterpflanzen natürlich beim Atmen Gase aus der Luft, erzeugen Sauerstoff und sorgen so für eine etwas frischere Luft in den Städten.

Nachteile
Mir fiele momentan nur einer ein: Bei nicht-immergrünen Wandpflanzen wie dem hier öfters genannten Wilden Wein fällt im Herbst sehr viel Laub an.
Oh, und die Wahl eines für das eigene Gebäude ungeeigneten Bewuchses kann zu Schäden am Gebäude führen.

(Bild von der Seite von Tobias Brantwein)

Kommentare:

Biotekt hat gesagt…

Es ist erfreulich, dass auch an dieser Stelle Fassadenbegrünung thematisiert wird, aber es wäre korrekt, auch auf die benutzten Quellen hinzuweisen.
Das gilt insbesondere für das Bild zum Artikel, für das ich das Urheberrecht beanspruche.

Grüße
T. Brandwein
"Fassadenbegrüner"

shadaik hat gesagt…

Is erledigt. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht mehr, woher das Bild auf meiner Festplatte stammte, das ich hier eingefügt hatte.

Regine hat gesagt…

Ich finde Fassadenbegrünung auch richtig toll, aber leider muss man immer auf einiges achten bevor man zu seiner Entscheidung kommt. Unter anderem kommt es auch auf den Fassadenbau an und auch wie schon im Blog zu lesen ist auf die entsprechenden Pflanzen die in Frage kommen.

Liebe Grüße
Regine