02.04.2012

eBook-Cover des Monats März 2012

Letzten Monat gab es kaum was, diesen Monat ist die Liste an Kandidaten ewig lang geworden, darunter einige der besten, die ich bisher gesehen habe. Daher auch die lange "Auch-erwähnenswert"-Reihe. Darunter erstmalig auch ein französischer Titel. Also denn:

10. Geliebte Teufelin
Der Schriftzug ist gradezu übertrieben „weiblich“, das wirkt schon fast absurd.
Eigentlich reicht dafür schon das starke Motiv des Stöckelschuhs mit dem roten Zeug an der Spitze. Letzteres sieht zwar aus wir verschmierter Lippenstift, ist aber dennoch wohl als Blut erkennbar. Die Frau, um die es geht ist in der Tat die Tochter des Teufels und so macht das ganze dann auch Sinn. Ja, Satanina (oder wie auch immer) dürfte wohl Blut an ihren Schuhspitzen haben. Die selbstverständlich schwarz sind, wie die restlichen Schuhe und mit rotem Innenfutter. Die Mauer ist rein farblich kein sonderlich attraktiver Hintergrund, passt aber zu einem allgemeinen Kerkermotiv.
Das Buch ist allem Anschein nach inzwischen leider nicht mehr erhältlich und zum Autoren Hans Bisplingshof findet Google nichts. Hmm.

9. The Banshee and the Linebacker
Was für dieses Cover spricht ist die Anwendung des Elements Farbe. Für eine in Irland spielende paranormale Romanze ist grün perfekt, da es die irische Farbe ist. Und grüner als dieses Cover geht kaum. Zusammen mit dem prominent platzierten Wort „Banshee“ - der bekanntesten irischen Sagenfigur - bekommen wir eine Überdosis Irland auf diesem Cover.
Die handwerkliche Ausführung ist keine Profiarbeit, aber sie funktioniert, alle Farben sind natürlich und harmoniseren daher mit dem vorherrschenden Grün. Und das ist allem Anschein nach der absolute Fokus in der Gestaltung. Sicher keine schlechte Entscheidung für die Verkäufe am in den USA und Irland wichtigen St. Patrick's Day, einem Festtag, an dem zu Ehren der Smaragdinsel alles grün sein muss.

8. Goody Two Shoes
Noch mehr Grün bekommen wir mit Esmeralda Greene, aber wer so heisst (ob nun wirklich oder als Pseudonym), der sollte die Farbe auch konsequent überall einsetzen. Und anschließend nur knallorange tragen, um nicht erkannt zu werden. Dass es ein Pseudonam ist, ist sehr wahrscheinlich, denn es handelt sich um das fast nie unter Klarnamen verlegte Genre der Erotikgeschichte, wie das Motiv unschwer erkennen lässt
Auffällig sind hier zwei Dinge: Einerseits das für das Genre überraschend geschmackvolle Cover (das auf eine tatsächlich weibliche Autorin hindeutet), andererseits die kreative Anwendung des Titelschriftzugs. Er folgt der Silhouette der Beine und entspricht in Farbe und Struktur den Strings der Schuhe.

7. The Toymaker
Das ist die Art Science-Fiction-Cover, die ich seit den frühen 90ern so sehr vermisse: Cover mit tatsächlichen Science-Fiction Elementen als Titelbild. Sowas gibt es im Printbereich nur noch bei den Groschenromanen, Buchverlage gefallen sich in abstrakten Motiven, die nur wenig auf das Buch selbst zurückschließen lassen (ausser beim Steampunk).
Die Biene auf The Toymaker ist ein cleveres kleines Bild, sieht es doch auf den ersten Blick und in der Verkleinerung aus wie eine Biene, bei der aber irgendetwas nicht stimmt. Bei näherer Betrachtung finden wir dann einen winzigen Roboter vor. Dass dieser auf dem Bild etwas Blut zu saugen scheint hilft, das Teil als bedrohlich darzustellen.

6. Ressort: Verbrechen
Der Titel scheint erstmal absurd, aber es geht um einen Journalisten, nicht um einen Ermittler. Ich kenne zwar keine Zeitung mit einem eigenen Ressort für Verbrechen, aber meinetwegen: Künstlerische Freiheit.
Das Motiv nutzt Kontraste um zu wirken und stellt dem scharlachroten Kleid der Leiche einen fast eintönig hellgrauen Hintergrund gegenüber. In der Vergrößerung bin ich ziemlich verwirrt, wo bei diesem Bild oben und unten ist, der wichtige Punkt ist aber: Der uninteressant gefärbte Hintergrund hilft, das kräftige Rot hervorzuheben und so aus der Liste an Covern unter den Suchergebnissen herauszustechen.
Leichter Punktabzug für den im Vergleich zum Titel riesigen Autorennamen. Man sollte nicht darauf hinweisen müssen, dass weder Leiche noch Mörder Scott Nicholson sind.

5. The Zona
Die meisten deutschen Leser dürften mit dem Titelbild wenig anfangen können, daher das als Einleitung: Dies ist ein Bild eines Graffiti der Flagge des US-Bundesstaates Arizona. Da das originäre Publikum des Romans wohl Einwohner Arizones oder zumindest der USA sind, ist das kein bedeutendes Manko. Den Stil eines verdreckten Graffiti hält das Cover komplett durch, vom Bild über den Titel bis zum Autoren. Damit macht der Roman sein Thema, ein post-apokalyptisch dystopisches Arizona in nicht allzu fener Zukunft deutlich und setzt die Stimmung visuell greifbar um. Was ein wenig fehlt ist noch ein Hinweis darauf, dass es sich um eine kirchenkritische Dystopie handelt, ein kleines Kreuz oder dergleichen wäre nett gewesen. Alles in allem aber ein sehr gelungenes Cover aus einem Guss.

4. Blood Sisters
Vampirromane gehören zu den Genres, die mit Covern oft großes Glück haben. Selbst die schlechteren haben noch immer eine gewisse mystische Qualität an sich. Dieses hier ist definitiv eines der besseren (sonst wäre es nicht in der Liste). Sehr gefällt mir das Spiel mit der Farbe rot und roten Objekten: Lippenstift, die Rose und Blut gehen in einen Farbkontext über, der sowohl Vampirismus (Verbindung Mund-Blut) als auch die damit verbundenen romantischen Ideen (Rose) gut repräsentiert. Das ebenfalls mit Vampiren verbundene Thema des Todes schlägt sich im Schwarz der Rose und der Kleidung der Protagonistin wider.
Am stärksten wirkt aber die durch das Blut rot gefärbte schwarze Rose. Das ist ein ungewöhnliches Bildelement, das aufzufallen und anzusprechen weiss. Ein vorbildliches Beispiel für einen Ausgleich von Bildsprache und Auffälligkeit.

3. Boris Makes a Friend
Awwwwwwwwwwwwwwwwwwww... Tschuldigung, niedlicher Roboter im Visier.
Der zweite Boris-Band fährt alles an Niedlichkeit auf, was er bieten kann und stimmt so auf die Geschichte des Comics ein. Das Bild selbts ist eine recht einfache Umsetzung des Titels mit Boris, wie er sein Spiegelbild entdeckt. Hübsch ist noch der Schriftzug am Gebäude hinter dem offensichtlichen Fenster: Future Site of (???) Vista Estates, also speziell der Teil mit „Future“, also Zukunft. Das Format, die grauen Streifen und die Bandnummer in einem Umriss von Boris' Kopf machen eindeutig klar, dass es sich um den zweiten Band einer Reihe handelt wobei dieser aus der Reihe das mit Abstand beste Cover hat.

2. Yarns & Stories of Abraham Lincoln
Lincoln und sein Hut sind immer für einen Scherz gut. Hier haben wir eines der wenigen eBook-Cover, bei dem ich schon beim Anblick schmunzeln musste. Clevere Anwendung des ikonischen Kleidungsstücks, ohne das einige seinen Träger gar nicht erst erkennen würden. Der Zeichenstil ist frisch und comichaft und verstärkt die klare Botschaft, dass dies ein lustiges Buch ist. Auf jeden Fall weiss ich jetzt, dass Lincoln im bett die Socken anbehält. Ein wichtiger Erkenntnisgewinn.
Beeindruckend ist, dass das Cover definitiv zum Buch passt - obwohl letzteres ein Titel aus dem Jahre 1901 in kommentierter und illustrierter Neuausgabe ist.

1. Isla Lacra
Cover mit einem Motiv im Motiv kommen bei mir immer gut an und das aus gutem Grunde: Sie funktionieren verkleinert, indem sie nur ein Motiv sehen lassen, aber die Ahnung mit sich bringen, dass etwas nicht stimmt. Das weckt das Interesse des potenziellen Kunden. Wir hatten das auf Platz 7 mit dem Toymaker schon einmal in dieser Liste und der Gewinner der ersten solchen Liste ist immer noch der beste Vertreter dieses Ansatzes.
Isla Lacra nun verbirgt in seiner Palmsilhouette ein interessanteres Bild: Den Rücken einer Frau mit gefesselten Händen. Dass es praktischerweise auch um eine entführte Frau auf den Florida Keys geht schadet dabei nicht.

Ausserdem erwähnenswerte Cover diesen Monat:


Für den April nehme ich gerne wieder per Twitter, Mial oder Kommentar Vorschläge entgegen.

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