25.03.2008

Schon blöd

Achtung, unverschämtes Product Placement von links!

Generation Doof, der nächste Titel aus der beliebten Serie Generation BeliebigesadjektivoderNomen ist ja grade in aller Munde und Hirne und teilt sich da seinen Platz mit der übrigen Empörungsliteratur darüber wie doof wir doch alle sind. Wer die Ironie bemerkt darf jetzt kichern.

Fertig gekichert? Gut, dann zurück zur Sache:
Mal wieder also herrscht der Untergang des Abendlandes. oder zumindest des deutschsprachigen Mitteleuropas. Wobei das Buch ja wenigstens konsequent ist: Es hackt mal nicht auf Schülern, Arbeitern, Politikern oder sonst einer Sondergruppe rum, sondern auf alle von 15 bis 45.
Die Begrenzung dürfte nur noch dazu dienen, überhaupt irgendeine Rechtfertigung für den abgenutzten Generationenbegriff zu haben. Korrekter wäre, wenn man denn schon fast die komplette Bevölkerung einbezieht, dennoch Deutschland ist doof.

Bei Generation Doof handelt es sich, wie schon angedeutet, um Empörungsliteratur erster Klasse, genauer um eine Art Anthologie der Empörung.

Mal wieder wird so getan, als hätten wir irgendwann in einer mit PISA vergleichbaren Studie signifikant besser abgeschnitten (haben wir nicht) und seien nun unterdurchschnittlich - offenbar ist es schon unterdurchschnittlich, wenn die Leistungen nur knapp über der Durchschnittsleistung liegen.
Der Niedergang der Allgemeinbildung wird bedauert, es fehlt aber wie üblich an einer Hinterfragung, wozu die Allgemeinbildung eigentlich gut ist und ob es irgendeinen Sinn macht ( ;-) ), heute noch Wissen abzufragen, das vielleicht 1960 mal relevant war. Viele kennen also Beethoven nicht mehr - na und? Beschwer ich mich, wenn mein Nachbar eine meiner Lieblingsbands nicht kennt?* Und dann ist da noch die Sache mit der Recherche und Zusamenarbeit mit Verblödungsblatt numero uno, aber das nur am Rande.
Teenager, die sich wie Teenager benehmen (zum Beispiel in der Überschrift zu diesem Spiegel-Interview angedeutet)sind übrigens auch ein Zeichen für Verdoofung. Dabei ist daran wirklich nur neu, dass sie es jetzt vor einer Kamera tun. Vorher waren Kameras halt zu teuer und wenn man doch eine hatte, fand man die Aufnahmen nicht im Internet.
Oh, und die Sprache verfällt wie üblich auch mal wieder. Das tut sie übrigens schon so lange, dass man sich wundern darf, wieso wir eigentlich überhaupt noch zur Kommunikation in der Lage sind.

Apropos Interview - was soll das eigentlich heissen?:

Jeder konnte auf Anhieb eine Handvoll Beispiele für Mitglieder der "Generation Doof" nennen. Und wir haben festgestellt, dass dieses Phänomen keine intellektuelle Schicht verschont - auch der Rechtsanwalt parkt sein Kind vor der Playstation.

Man gehört also zur Generation Doof, wenn man PlayStation (ist übrigens ein Markenname mit Binnenmajuskel, liebe Lektoren) spielt?

Alles in allem: Im Westen (, Norden, Osten und Süden) nichts Neues.

Aber dieser Quark nervt mich einfach. Vielleicht schreib ich auch ein Buch zum Thema: Ja, doof - was dagegen?
Über die Frage, warum gesellschaftlicher Wandel eigentlich immer negativ zu sein scheint, wie Motzköppe immer wieder Einzelbeispiele zu Allgemeinheiten aufblähen und woher eigentlich dieses Bedürfnis zum Motzen kommt, dem ich ja auch exzessiv huldige.
Ich glaube, ich fange gleich an. Und wie die Doofen damit geködert werden, über vorgebliche Doofheit anderer zu lachen.

Generation Doof jedenfalls ist sicherlich unterhaltsam als kleine Motzschrift zur Entspannung. Ersntnehmen und als Sachbuch auffassen sollte man es genausowenig wie das, was sich in der durchschnittlichen Blogosphäre (also hier) findet.
Denn alles in allem wirkt Generation Doof wie ein etwas über 300 Seiten langer Blogeintrag. Ich glaube, mit dieser Erwartunshaltung kann das Buch sogar ganz angenehm zu lesen sein - ich sollte es noch einmal versuchen.

Achja, zum amazon-Link da oben: Dort gibt es auch eine Leseprobe als PDF, noch im oberen Bereich der Seite. Ist ein bisschen klein geschrieben, aber lohnt sich für alle, die sich ein wenig vom Stil des Bandes überzeugen wollen.

*Beethoven hat wunderschöne Musik gemacht, ich sehe aber keinen Grund, von irgendwem zu erwarten, diese zu kennen.