28.06.2007

Buch: Vorwort

Das folgende ist mein gestern geschriebenes Vorwort zu einem ansonsten noch ungeschriebenen Buch ohne Titel. Vermutlich etwas seltsam, aber ich find's interessant.

Setzen wir uns für einen Moment hin und betrachten uns diese seltsame Lebensform, die - vermutlich berechtigt - dem Glauben anhängt, auf diesem Planeten dominant zu sein.

Nicht unbedingt in diesem Vorwort zu einem hoffentlich nicht zu dick und trocken geratenen Buch, welches ohnehin kaum jemand lesen wird, sondern draussen. Gehen Sie raus, setzen Sie sich irgendwo hin, wo es betriebsam ist und schauen Sie den Menschen eine Weile zu. So 15 Minuten oder so.

Keine Angst, es lohnt sich. Wir sehen uns später wieder.



Na, wie oft haben Sie in diesen 15 Minuten (zuzüglich eventuellem Hin- und Rückweg) gegrinst? Gut, machen wir uns nichts vor, Sie waren nicht draussen.

Es sei denn, ich habe Sie in diesen ersten drei Absätzen bereits so gelangweilt, dass Sie das Buch weggelegt und ein paar Tage liegen gelassen habe. Oder Sie hören tatsächlich auf mich - dann sind Sie vermutlich ein Wellensittich oder so etwas.


Worauf ich hinaus wollte, was auch geklappt hätte, wären Sie denn hinaus gegangen, ist die tiefe Komik des Menschen.

Eine durchaus positive, weil erheiternde Komik ohne faden Beigeschmack. Eine Komik ohne flachen Slapstick und mit wenig Schadenfreude, vielmehr je nach Fall eine erheiternde Naivität, eine tiefe Ironie der Spaltung von Sein und Wollen. Und doch, da ist eine Art mentaler Slapstick; basierend auf einer uralten Tradition mit Begriffen wie Bildung, Anstand, Disziplin und eben Tradition selbst kann man ihn am besten mit einem Sketch vergleichen (den es meines Wissens nicht gibt, der aber gedreht werden sollte), bei dem ein Mensch im Treibsand steckt, umgeben von rettenden Ästen, auf denen er aber überall Monster sitzen sieht, die nicht da sind.

Gut, etwas makaber, das geb ich zu.

Noch passender vielleicht wäre es, wenn die Äste alle von ihm fremden Bäumen stammen und er vor diesen fast noch mehr Angst hat als vor dem Treibsand - sie könnten ja giftig sein, zuschlagen, brechen oder sonst etwas.


So sehe ich den Menschen: Er steckt in seinem Treibsandloch, die rettenden Äste stets in Greifweite ist es für ihn aber unmöglich, zumindest undenkbar, diese zu greifen.

Als Gewohnheitsstier, als das er oft beschrieben wird fällt es ihm schwer, Neues angstfrei anzugehen. Der Treibsand, das sind all die Gefahren, denen der Mensch sich derzeit gegenüber sieht. Die Äste, das sind die neuen Denkweisen, die dort hinaus führen oder das Problem zumindest mindern können.


Ergreifen wir sie nicht, können wir uns zwar mit immer mal wieder am eigenen Zopf aus dem Loch heben und noch etwas länger strampeln, raus kommen wir aber nur, wenn wir die Äste greifen.

Doch irgendwie scheint es, haben wir unser Loch lieb gewonnen.

Offen gesagt würde ich gerne mal einen Häftling in sein altes Gefängnis begleiten und fragen, ob er für dieses irgendwelche sentimentalen Gefühle entwickelt hat, ob er es vermisst hat, ob er es als Teil seiner Geschichte und seines Selbst betrachtet.


Menschen sind so unglaublich faszinierend und oftmals bizzarer als so mancher als „ausserirdisch“ geltender Tiefseefisch. Tatsächlich glaube ich, die meisten Ausserirdischen werden nicht so seltsam sein wie wir - ausser natürlich in unseren ebenfalls seltsamen Augen.


Es mag sein, dass das alles recht negativ klingt - in Treibsand zu versickern ist ja nun nichts angenehmes - aber das ist auch nur eine Metapher und wenn man zudem der festen, unverrückbaren Überzeugung ist, dass der Mensch irgendwann aus dem Loch rauskommt, kann man auch über sein absurdes Verhalten durchaus lachen.

Immerhin, haben wir als Kinder über wesentlich bösartigere Dinge gelacht, wenn Serien wie Tom & Jerry oder Bugs Bunny liefen.


Was ich hier tun möchte, ist einfach: Ich will mir anschauen, wo die rettenden Äste für uns alle hängen, wie sie beschaffen sind, ob sie giftig sind und warum wir Angst haben, sie anzufassen.

Wie Sie vielleicht ahnen, sind meine Gedanken teils etwas bizzzar. Sonst würde ich das, was Sie, liebe Leser, als normal betrachten nicht als dermaßen bizzzar ansehen. Sie werden noch sehen, was ich meine.


Meine Bitte ist die: Trauen Sie sich etwas Bizzarität zu. Sehen Sie die Welt mal anders, nur ab und zu, ein paar Minuten.

Macht sie Sinn (Nein, ich werde jetzt nicht über etliche Möchtegernsprachwächter herziehen, obwohl ich das könnte)? Könnte sie besser funktionieren? Menschlicher? Wieviel Fehler ist menschlich? Können, wollen und sollen wir all das ändern, was zu ändern scheint? Gibt es so etwas wie einen Segen des Seltsamen? Was ist eigentlich „menschlich“?

Wollen wir unser kuscheliges Loch überhaupt verlassen?

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