14.10.2007

Das Dilemma guter Schreiber

Irgendwie scheinen die Leute hier mehr über Internetmarketing und Webdesign lesen zu wollen, das legen jedenfalls die Besucherzahlen nahe.

So ganz kann ich das nicht nachvollziehen (wie viele 100 miese Blogs zu dem Thema gibt es eigentlich inzwischen?), aber was soll's.
Seltsamerweise ist nämlich noch immer nicht alles besprochen, was da zu sagen wäre.

Wahrscheinlich sind die drei wichtigsten Regeln für Internetmarketing allgemein bekannt:
1. Verbreite deine Artkel gegen Links auf deine seite
2. Mache sie keywordreich
3. Schreibe gute Texte

Schauen wir uns mal ein durchschnittliches Artikelverzeichnis an, so kann man sehr schön beobachten, wie die Schreiber sich selbst an diese Tipps halten:
Sie veröffentlichen ganz offensichtlich in Artikelverzeichnissen, gerne mal unter mehreren namen, Titeln und kategorien den gleichen text.
In den Texten tauchen die Schlagworte, mit denen die Schreiber vermutlich gefunden werden wollen sehr häufig auf.
Die Texte sind samt und sonders unlesbar schlecht.

Langweilig geschrieben, gefüllt mit den immer gleichen Empfehlungen (den drei da oben), trivial, uninteressant und thematisch fast komplett auf die Bereiche Internetmarketing und Suchmaschinenoptimierung beschränkt.

Da stellt sich doch die Frage: Warum sind die Texte in Artikelverzeichnissen so mies?

Und die Antwort liegt auf der Hand: Das Dilemma des guten Schreibers.

Der weitaus größte Teil des Internets finanziert sich aus Werbeanzeigen. Das ist offensichtlich, wenn man sich einmal eine zufällige Gruppe von vielleicht 100 Webseiten rauspickt, gerne auch aus anderen Sprachgebieten wie Japan oder Russland.
Würden Sie auf eine solche Anzeige klicken, wenn Sie einen guten Text lesen?
Sicher nicht - die Anzeige öffnet normalerweise im selben Fenster bzw. Reiter wie der Text, der damit verschwindet.
Bei den meisten modernen Bannerformaten (Flash, Javascript) hat man auch keine Möglichkeit, den Link in einem anderen Fenster/Tab zu öffnen, wenn man will. Es gibt die Option ganz einfach nicht.
Auch hält ein guter Text das Auge quasi gefesselt, es schweift nicht zu den Anzeigen, es sei denn, diese sind sehr störend (tatsächlich wird Internetwerbung zunehmend störender und das scheinbar mit Absicht).

Ein Text muss also im Internet eine gewissen Balance erreichen: Er muss gut genug sein um Besucher anzulocken, darf aber nicht so stark fesseln, dass diese Besucher ihn zu Ende lesen wollen.
Denn andernfalls klicken sie nicht auf die Anzeigen (wiel sie den Text weiterlesen wollen) und man hat finanziell nichts von seinem Text.

Das kommerzielle Internet fördert also spezifisch das Mittelmaß.

Natürlich gibt es Tricks, um diesen Effekt abzuschwächen. Einer davon ist der Cliffhanger.
So wie dieser hier: Im nächsten Post geht es weiter mit der Frage: Wie kann ich trotz guter Texte Geld verdienen?

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