04.01.2012

Meine Lieblings-eBook-Cover 2011

Wo ich schon so viel über schlechte eBook-Cover schreibe sollte ich dann vielleicht auch mal darüber schreiben, welche eBook-Cover ich für wirklich, wirklich gut halte. Nun denn, hier sind meine Top 10, weitere Vorschläge gerne willkommen:

10. Loki
Der nordische Gott Loki wird als vater zahlreicher Monster hin und wieder mit Schlangen assoziiert und ist selbst der Gott der List und Tücke. Attribute, die in der westlichen Kultur auch Schlangen zugerechnet werden.
Interessant an Loki ist der erfolgreiche Versuch, dem Titel das Aussehen eines abgenutzten, alten Buches zu geben, ähnlich einem alten leinengebundenen Buch, das schon länger in einem Bücherschrank steht. Die einfarbige Ausführung von Bild und Text sowie der gewählte Farbton sehen auf diesem Hintergrund sehr authentisch aus. Auch wirkt die Illusion bei einem eBook besser als bei einem Taschenbuch, vermutlich durch das Fehlen eines kontrastierenden Buchrückens, der die Falschheit des Bildes verraten würde. Das K im Schriftzug wirkt ein wenig seltsam.

9. Broken Worlds
Das einzige Cover in der Liste, das ohne konkretes Titelbild arbeitet und zudem das einzige, das ich nur wegen seines Covers auf meine Wunschliste gesetzt habe (und kaufen werde, sobald meine Liste ungelesener Bücher mal wieder etwas schrumpft).
Broken Worlds funktioniert dank der hochgradigen Abstrahierung der Welten als Kreise/Kugeln und die Kombination mit der einfachen Tatsache, dass auch der Buchstabe O als Kreis darstellbar ist. Jetzt packt man die Os in den beiden Wörtern des Titels zusammen und bricht den Text genau dort entzwei. Das Ergebnis ist eine effektvolle Visualisierung des Buchtitels.
Ich wünschte wirklich, mehr Cover würden mit ihren Schriftzügen ähnlich kreativ arbeiten. Es kommt hin und wieder vor, beschränkt sich aber meist auf die Anwendung von Farben und Bildern in der Schrift. Das Schriftbild selbst zu „verletzen“ ist eine Technik, die man selten sieht.

8. Shapeshifters Anonymous
Ich mag J.A. Konraths Cover normalerweise überhaupt nicht. Sie wirken zusammengeschustert und überfrachtet. Sie sind nicht so schlimm wie die Fotogalerie von Frauenbeinen, die John Locke als Cover bezeichnet, aber sie wirken dennoch ziemlich billig.
Shapeshifters Anonymous ist das wahrscheinlich einfachste Cover zu einem von Konraths Büchern, aber zugleich auch das meiner Meinung nach beste. Und als wollte es sich über mich lustig machen, besteht es hauptsächlich aus Frauenbeinen á là Locke. Aber in Kombination mit dem Gepardenschwanz kommt ein Element hinein, das dem Bild einen Hauch von Andersheit gibt.
Das Cover sieht ein wenig aus wie eine Kreuzung aus einem O'Reilly-Buch und einem Animorphs-Band. Der Lichtblick unter den Konrath-Covern. Bonuspunkte dafür, dass eine wichtige Figur der Geschichte tatsächlich ein Wergepard ist.

7. The First Fossil Hunters
Das ist ein schönes beispiel für ein Cover, das mit wenigen Elementen verrät, worum es geht. Der Titel allein lässt an die ersten Paläontologen denken, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert die Existenz einer urzeitlichen Welt lange vor dem Menschen bewiesen und so den Weg für Lamarck, Darwin und die Evolutionstheorien bahnten. Das Bild hingegen verrät dem eingeweihten ein anderes Thema: Der Umgang mit den schon damals hin und wieder auftauchenden Fossilien in der Antike.
Dargestellt ist ein Greif auf der Basis des Skeletts eines Dinosauriers (Protoceratops). Ein Bild, das sich deshalb anbietet, weil der Verleger Princeton University zwei Greife im Wappen führt. Eingeweihte kennen die Theorie, dass Greife und die Sphinx auf den Funden solcher Tiere beruhen und wissen das seltsame Bild daher einzuordnen. Uneingeweihte wollen im besten Fall wissen, was es mit dem Bild auf sich hat. Leider werden wohl viele Leser dadurch einfach nur verwirrt.

6. Linksaufsteher
Das farbigste Cover in dieser Liste.
Man steht auf, schlurft ins Bad und verteilt im ersten Akt des Morgens die Zahnpasta quer über die Zahnbürste.
Und auf dem Weg hat man sich wahrscheinlich den Dicken Zeh gestoßen.
Und Montag ist es sowieso.
Ein Bild, das so manchen Morgen einfach nur perfekt beschreibt.
Und jetzt muss ich dennoch weiterschreiben, sonst überlappen die Bilder von Platz 6 und 5, was einfach blöd aussieht. Mir fällt aber sonst nicht viel zu dem Cover ein. Die Farben sind schön knallig, damit dürfte es bei den meisten Suchen deutlich herausstechen. So, Textblock grade lang genug, nochmal überlebt.

5. Why Evolution is True
Ja, ich hab's mit Dinosauriern.
Dieses Cover schafft das Kunststück, seine Grundthese kurzerhand auf dem Cover zu beweisen, indem es den Übergang von kleinen Raubdinosauriern zu den Vögeln in vier klaren Schritten zusammenfasst. Man muss dazu sagen, dass der Titel des Buches in den USA allen Ernstes als kontrovers gilt, eine so klare Stellungnahme ist also ein Wagnis.
Hier ist es grafisch mit dem wohl berühmtesten Beispiel Archaeopteryx untermauert. Die häufige Behauptung der Kreationisten, die fehlenden Glieder in der Kette der Evolution seien nie gefunden worden, wird direkt durch das Aufzeigen einiger solcher Formen (alle vier Bilder zeigen echte Tiere, keine hypothetischen Zwischenformen) widerlegt.

4. 2:46 - Aftershocks
Normalerweise ist es eine Grundregel: Weiss funktioniert nicht als Hintergrundfarbe für eBook-Cover, da diese meist auf einem wiedeurm weissen Hintergrund präsentiert werden.
2:46 schafft es, diese fehlende Begrenzung zu nutzen. Das Rot der japanischen Flagge wirkt so verloren in einem großen weissen Raum. Durchaus passend für ein Buch über das verheerende Erdbeben von März 2011. Was ich aber an diesem Cover vor allem mag, ist die Subtilität der Symbolik. Erst auf den zweiten Blick fallen die Rissen und Schrammen an dem roten Kreis auf. Japan ist in seinem Kern beschädigt.
Der große Nachteil des Bildes ist seine Allgemeinheit - es wird in wenigen Jahren wahrscheinlich für so ziemlich jedes Unglück in Japan Verwendung finden können. Aber in dem Moment, in dem es gebraucht wurde, hat es gewirkt. Für ein kostenloses, innerhalb einer Woche geschriebenes Buch, das im Grunde nur ein Spendenaufruf war ist das durchaus beachtlich.

3. Schuld
Kurzgeschichtensammlungen sind der natürliche Feind jedes Coverdesigners. Wie bringt man mehrere unterschiedliche Geschichten auf einem Cover in Einklang, ohne ein austauschbares Bild zu erhalten? Das Titelbild von Schuld ist sicherlich keine einmalige Idee, Blut im Wasser ist ein häufiges Bild im Film. Hier wirkt es aber durch Stil und die klare Aufteilung des Covers.
Schuld ist ein schöner Titel für einen Krimi. Ein naheliegendes Konzept, das in diesem Literaturgenre dennoch kaum Erwähnung findet, weil die Schuldfrage in diesem Genre oft nur vordergründig interessiert („Wer war es?“) und die Handlung nach Feststellung des Täters endet. Die Frage nach der Schuld selber im Titel verspricht eine tiefergehende Auseinandersetzung, vielleicht näher am Film Noir als an der üblichen Krimikost.

2. Die Oetkers
Auch ein schönes Blutbild: Der Vanillepudding mit Erdbeersoße wirkt harmlos genug, aber das ist eine Familienchronik mit Fokus auf eine deutsche Industriellenfamilie. Familienchronik und Industrie, das trägt gleich einen ganzen Strauß an Implikationen mit sich, insbesondere be vor 1933 gegründeten Unternehmen.
Kaum vorstellbar, dass es in einem Unternehmen dieses Wertes keine Betrügereien, Dolchstöße und Verschwörungen gegeben hat. Undenkbar, dass ein solches Unternehmen das 3. Reich überstanden haben soll, ohne mit den Nazis zu kollaborieren.
Was das Blut angeht enttäuscht die Familie Oetker zwar, aber das Titelbild ist dennoch ein gelungener Kundenmagnet.

1. Demon Kissed
Demon Kissed sticht aus mehreren Gründen aus dieser Liste heraus. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass ich nicht das geringste Interesse am Inhalt des Buches habe. Romanzen, auch paranormale, sind nun wirklich das letzte Genre, das ich in die Hand zu nehmen gedenke. Aber das ist ganz einfach das beste Buchcover, welches zu sehen ich mich erinnern kann.
Das Titelbild spielt mit dem Buchformat und überragt es zu den Seiten hin, was einen ungewöhnliches plastischen Effekt ergibt.
Das Bild selbst hat drei Schichten. Die offensichtliche ist jene, in der rote Lippen einen Rind halten. In der zweiten Ebene ergeben Ring, Lippen und Schatten die Konturen einer drohenden Kobra, ein subtiler Effekt, der das Thema der Liebesgeschichte mit einem Dämonen sehr stark verbildlicht. Und diese Komposition ist ein absolut beeindruckendes Bild. Die dritte Ebene erkennt man erst in der Vergrößerung: Die Lippen bestehen aus beschrifteten Buchseiten, es handelt sich eigentlich um ein rot eingefärbtes, aufgeschlagenes Buch.
Dieses Cover könnte ohne Probleme in einem Museum hängen. es würde mich nicht wundern, wenn es das täte. Einziger Kritikpunkt: Der Titel ist relativ schlecht erkennbar.

Ausserdem erwähnenswert:
Cover, die mir die letzten Monate ebenfalls positiv auffielen, es aber nicht in die Top-10 geschafft haben.

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