06.12.2011

Zum KrIZ

Es geht momentan in der Stadt durch die Schlagzeilen: Das Kriseninterventionszentrum (Kriz), derzeit an der Kyffhäuserstraße beheimatet, soll nach Wickrath umziehen. Grund dafür ist, dass sich die Einrichtung vergrößern will und in Wickrath den entsprechenden Platz gefunden hat.
Die Anwohner mögen das nun gar nicht und so entstand eine Bürgerinitiative. Deren Webseite verlinke ich jetzt nicht. Einerseits, weil Georg Mertens von der BI sie selber suboptimal findet (sie also wohl nicht repräsentativ für die Gruppe ist) und andererseits, weil z.B. die Farbgebung doch sehr zweifelhaft ist. Sagen wir mal so: Wenn einem öffentlich rechte Positionen vorgeworfen werden ist das Farbschema schwarz-weiss-rot wenig geschickt (ich bin mal so höflich, einfaches Ungeschick zu unterstellen).

Besagte Initiative macht sich darum Sorgen, dass der "Kisenherd Wickrath" dadurch weiter belastet werden könnte. Quasi als Beleg hierfür zeigen die BIler diese Karte auf, die ich wegen des Urheberrechtshinweises hier nicht einbinde, auch wennd as meine Textwüste hübscher machen würde.
Allein, diese Karte weist Wickrath als einen der ruhigsten und harmonischsten Stadtteile ganz Mönchengladbachs aus. Ganze zwei Schwerpunkte (Bahnhof und Marktplatz, also übliche Verdächtige wo immer diese zwei Plätze existieren) sind als "Brennpunkte" markiert, ausserdem das ehemalige Militärviertel. Beklagt werden "herumlungernde Jugendliche". Da ich "herumlungern" bisher nicht im Strafgesetzbuch finden kann (und wenn, würde ich lautstark dagegen protestieren) ist mir nicht ganz klar, worin der "Brennpunkt" bestehen soll. Es ist nicht so wie teilweise in Odenkirchen, Eicken und Mülfort, wo es echte Probleme mit Überfällen, Randale und Einbrüchen gibt.

Das ist das eine. Das andere ist der Umgang mit Schwererziehbaren, der sich hier zeigt.
Ich habe eine besondere Beziehung zu dieser Gruppe, war ich doch in den 90ern 4 Jahre selbst Schüler am Torfbend, heute Peter-Ustinov-Schule. Eben jene Schule für Schwererziehbare, auf die auch die Krizzies gehen werden. Ich war nie auf einem Level mit den Problemkindern des Kriz und habe es deshalb wieder von dort runtergeschafft, aber ich kenne diese Schule und den Umgang mit Schwererziehbaren. Ich kenne mehrere Sonderpädagogen (darunter aktuelle und ehemalige Lehrer am Torfbend), mein Bruder hat jahrelang im Sonderschulbetrieb einer anderen Schule mit geistig behinderten gearbeitet (und ich im Zuge meines Studiums ebenfalls). Meinen Zivildienst habe ich in einer psychiatrischen Klinik geleistet, der Hauptstandort von Hephata befindet sich zwei Straßen von mir.
Aus all dem ziehe ich meine Erfahrungen, wenn ich den Umgang mit schwierigen Jugendlichen (schwer erziehbar oder geiswtig behindert ist letztlich Haarspalterei, da eine eher willkürlich gezogene Bewertungslinie) bewerte. Und daraus ziehe ich eine Erkenntnis: Das schlimmste, was man machen kann ist, diese Jugendlichen zu isolieren. Neben intensiver Betreuung, wie sie Kriz/Dillborn und die Peter-Ustinov-Schule bieten ist auch ein Kontakt zur Normalität notwendig. Solche Einrichtungen gehören in Wohngebiete. Es ist keine Option, das Kriz etwa komplett in ein Industriegebiet zu verlegen, das verstärkt nur die Isolation dieser Einrichtung und verunmöglicht damit den Kontakt Jugendlicher auf Ausgang zu normalen, innerörtlichen Sozialstrukturen. Wer ins Kriz kommt ist mehr als isoliert genug, weitere Ausgrenzung braucht er als allerletztes.

Man kann darüber diskutieren, ob ein Standort näher am Torfbend in Dohr eine gute Idee wäre, allein: Die Ecke Dohr/Mülfort ist tatsächlich ein sozialer Brennpunkt, geprägt durch die Achse Torfbend-Hauptschule-Römerbrunnen. Dort haben wir dann das Problem eines sozialen Umfeldes, in das die Krizzies eben nicht geraten sollten, wenn sie in die Gesellschaft reintegriert werden sollen.
Wickrath wäre nicht meine erste Wahl, wenn ich therapeutisch ideale Bedingungen zur Resozialisierung suchte - das wären Hardt, Giesenkirchen oder Rheindahlen. Das wichtigste Gegenargument zu Wickrath ist die Art und Weise, wie die anwesenden Anwohner ihrem Protest Ausdruck verliehen haben (den Schilderungen mehrere Anwesender nach fehlten nur noch Fackeln und Heugabeln). Aber es steht fraglos recht weit oben.
Hier bei mir in Dahl? Klar, warum nicht. Können gerne ins bald ehemalige Krankenhaus St. Kamillus einziehen, 50 Meter die Straße runter. Oder auf das Brachgelände des ehemaligen Fußballfeldes am anderen Ende der Aktienstraße. Ich hab nur keine Ahnung, wie sie an die Grundstücke oder zumindest einige Räume dort kommen könnten. Ich weiss bei beiden, wer die Besitzer sind und beide haben grundsätzlich wenig Interesse zu verkaufen.

Jetzt muss ich weg, daher muss die Politur des Textes ausfallen. Aber das wollte ich vorher noch gesagt haben.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich wohne übrigens seit einiger Zeit nur wenige Meter vom jetzigen KRIZ entfernt und mir ist absolut nichts aufgefallen. Nichtmal harmloses Herumlungern.